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Balve/Beckum. (R.E.) Nach dem fürchterlichen Unfall auf der B 229 am 1. August 2018 wurde der 46-jährige Hemeraner, der in den Golf gerast war, von der Polizei vorübergehend festgenommen worden (wir berichteten). Denn bei dem gewaltigen Zusammenprall waren eine Frau getötet und vier Menschen schwerst verletzt worden. Zudem stand der Unfallverursacher unter Alkoholeinfluss.

Da die Polizei jedoch von Zeugen darauf hingewiesen wurde, dass sich der Unfallverursacher ein illegales Autorennen mit einem Porsche-Fahrer geliefert haben soll, fahndete sie sofort nach ihm. Da er von Hövel kommend vor dem Audi war, will er von dem schweren Unfall kurz vor Beckum nichts mitbekommen haben. Dass er seine Fahrt allem Anschein nach fortsetzte, um sich aus der Verantwortung zu stehlen, bringt ihm jetzt vor Gericht zusätzlichen Ärger ein.

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Laut Staatsanwalt Klaus Neulken hat der Mann aus Soest, der mit einem nagelneuen Porsche im Wert von 160.000 Euro auf dem Weg vom Sachsenring nach Beckum war, den Unfall sehr wohl wahrgenommen. „Es gibt einen hinreichenden Tatverdacht auf Unfallflucht“, erklärte der Staatsanwalt aus Arnsberg auf Nachfrage unserer Zeitung. Obwohl der Mann sehr genau hätte wissen müssen, dass es zu einem schweren Unfall gekommen sei, habe er sich auf die Terrasse gesetzt und mit seiner Freundin Pizza gegessen, so die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Dass der Soester so schnell ermittelt werden konnte, ist General Zufall geschuldet. Denn einmal im Rennfieber raste der Mann mit 77 km/h am Abend des 1. August nach dem Unfall in Beckum in die Radarfalle. Mit Hilfe der astreinen Aufnahme wusste die Polizei, wo sie den Porsche-Fahrer finden würde.

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Unterstützt von den Kollegen aus Soest suchten diese die Wohnung des Rasers auf. Als ein Nachbar die Polizei darauf aufmerksam machte, dass er eine Freundin in Beckum habe, konzentrierte sich die Suche auf den Balver Ortsteil. Allerdings, so wird gemunkelt, waren die Polizeibeamten an diesem Abend nicht hellwach. Sie sollen nämlich an der falschen Haustür auf der „Hinsel“ in Beckum geklingelt habe. Also nicht dort, wo der Porsche-Fahrer seelenruhig auf der Terrasse saß und nicht daran gedacht hat, sich der Polizei zu stellen.

Dieser Schritt erfolgte erst einen Tag später, als er in Soest von einer Nachbarin erfuhr, dass die Polizei ihn sucht. Die Ordnungshüter hatten zuvor eventuelle Zeugen über die Medien gebeten, Aussage zum Fahrer des knallroten Porsche zu machen. Nach Angabe von Staatsanwalt Klaus Neulken haben sich einige Zeugen gemeldet, die sowohl eine Aussage zum Audi- als auch Porsche-Fahrer machen konnten.

Vor diesem Hintergrund ist laut Staatsanwaltschaft Arnsberg eine Verurteilung des Soesters, dessen Auto der Staat nach einem rechtskräftigen Urteil durch die Oberfinanzdirektor Düsseldorf versteigern lässt, sehr wahrscheinlich.

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