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Balve/Neuenrade/Menden. Der Naturhistorische Verein Hönnetal e.V. hat der Hönne-Zeitung folgende Erklärung zum geplanten Ausbau der Kalkindustrie im Hönnetal zu kommen lassen. Darin fordert er unter anderem, die Bundesstraße 515 in einen Radweg umzuwandeln. Zuvor geht er jedoch auf die geplante Erweiterung des Steinbruchs Asbeck ein, die am gestrigen Dienstag in der Schützenhalle intensiv diskutiert wurde.

„Der Naturhistorische Verein Hönnetal e.V. sieht den geplanten Kalkabbau des Gebiets Beil zwischen Asbeck und Eisborn durchaus kritisch. Es handelt sich hierbei um eine in das Landes-Biotop-Kataster aufgenommene Fläche, der sogar NSG-Würdigkeit zugesprochen wurde. Insbesondere der Bestand an alten Buchen, die auch als Fledermausquartier in den Som-mermonaten dienen, würde einen herben Verlust für die Natur darstellen. Aus der Sicht des Naturschutzes wäre die Beibehaltung des Status quo die beste Lösung.

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Wir begrüßen jedoch die Bereitschaft der Lhoist-Gruppe zum Dialog und die Schaffung eines Runden Tisches. Leider wurden bisher keine Vertreter des Naturschutzes mit eingeplant. Wir regen deshalb an, dass auch Vertreter der verschiedenen Naturschutzvereine und –verbände mit am Runden Tisch sitzen. Wir stehen dafür gerne zur Verfügung. Die aktuellen Planungsgespräche nehmen wir zum Anlass, eine Revision des Bundesverkehrswegeplans anzuregen.

Wir wünschen eine weitsichtige Verkehrsplanung im Hönnetal. Während das 2.Teilprojekt der Ortsumgehung Balve durch das Tiefental/Borketal (B 229 OU Balve) aus ökologischen Gründen zu streichen ist, sollte die Umgehung des Hönnetals mit hoher Priorität in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden. Die jetzige B515 zwischen Sanssouci und dem Abzweig nach Asbeck sollte nach Meinung des NHV zu einer Radroute mit Anliegerverkehr umgewidmet werden, vergleichbar dem Teilstück zwischen Balve-Sanssouci und dem geplanten Kreisverkehr am Abzweig nach Wocklum. Die Lhoist-Gruppe bitten wir deshalb, ihre Planungen für den weiteren Kalkabbau so vorzunehmen, dass sie die zukünftige Trassenführung durch ihr Gelände nicht behindern, sondern vielmehr fördern und zeitlich forcieren. Der Bürgerdialog der Lhoist zeigt nach dem Gespräch vom 9. April 2019 in Eisborn Perspektiven auf, etwa was den Kalkabbau im Standort Horst betrifft.

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Die grundsätzliche Bereitschaft, erforderliche Flächen auch in den Steinbruchbetrieben zur Verfügung zu stellen, sollte von Lhoist kommuniziert werden. Für eine Umwidmung der jetzigen B515 durch das Hönnetal zu einer Radroute sprechen vor allem folgende Gründe:
(a) Verkehrssicherheit: Das Unfallaufkommen im Hönnetal ist trotz aller Verkehrssicherungsmaßnahmen (Geschwindigkeitsbeschränkungen, Radarmessungen, usw.) unverändert sehr hoch
(b) Verkehrseffizienz: Die kurvenreiche Trassenführung entlang der Hönne und die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen und Geschwindigkeitsbeschränkungen stellen ein Verkehrshindernis dar. Durch eine neue Trassenführung würde der Verkehrsdurchfluss der B515 zwischen Balve und Menden deutlich beschleunigt
(c) Naturschutz: Das mittlere Hönnetal steht nahezu vollständig als FFHGebiet unter Naturschutz. Die stark befahrene Bundesstraße durch das extrem enge Hönnetal ist mit den Erfordernissen des Naturschutzes auf lange Sicht nicht vereinbar
(d) Radwegplanung: Der Bau eines bundesstraßenbegleitenden Radwegs durch das Hönnetal – als Querverbindung zwischen Ruhrtalradweg und Lenneroute – ist bei der gegebenen Topographie nicht möglich, ohne ausgewiesene FFH-Gebiete zu beeinträchtigen. Die Trasse der Bundesstraße wird deshalb für den Radverkehr benötigt
(e) Aufwertung des Hönnetals: Das Hönnetal als Ökotop von bundesweiter Bedeutung mit vielfältigen historischen, geologischen, botanischen, paläontologischen und speläologischen Bezügen würde durch die Verlegung der Bundesstraße wesentlich aufgewertet. Die gesamte Region würde gewinnen.
Während die Realisierung des 2. Teilprojekts der B229n/ Ortsumgehung Balve das Landschaftsbild im Borke-/Tiefental zerstören und die Luisenhütte als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung erheblich beeinträchtigen würde, gewinnt das Hönnetal durch die vorgeschlagene Umgehung.

Umwelt und Verkehr profitieren auf lange Sicht. Zwei Ortschaften – Volkringhausen und Beckum – werden verkehrsmäßig entlastet. Bezüglich der Umsetzung ist klar, dass die Hönnetalumgehung eine große technische Herausforderung darstellt. Vor dem Hintergrund der Großtat der Rettung des Hönnetals vor dem Kalkabbau – die „Schutzaktion zur Erhaltung der Schönheit des Hönnetals“ liegt nunmehr 100 Jahre zurück – ist ein weitsichtiger und starker Schutz dieses bundesweit einmaligen Juwels aber heute notwendiger denn je“, so die Meinung der NHV-Vorstandsmitglieder Andreas Kolarik und Adalbert Allhoff-Cramer.

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