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Balve. Was für eine Entscheidung in der Dressur. Spannender kann eine Deutsche Meisterschaft im Grand Prix Special nicht aussehen. Eine Prüfung, gespickt mit Emotionen, einer Reiterin, die den Weg wieder finden möchte und einem abgefahrenen Pferd, das manchmal etwas zu sehr nachdenkt.

Was war das für ein Deutscher Meisterschafts-Grand Prix Special beim Longines Balve Optimum. In der Tat brachte die Prüfung alles mit, was man sich nur wünschen kann: Spannung, Emotionen, Unerwartetes… „Ein Film hätte spannender nicht sein können. Wir haben hier Weltsport gesehen mit Weltklasse-Reitern und Weltklasse-Pferden“, schwärmte Chefrichter Reinhard Richenhagen.

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Die Besten des Tages waren Dorothee Schneider und ihr Showtime FRH. Vor drei Jahren wurden die Beiden Deutsche Meister in der Grand Prix Kür. Danach laborierte der imposante Sandro Hit-Nachkomme immer wieder an Verletzungen. Nun meldete sich der 13-jährige Hannoveraner eindrucksvoll in alter, aber gereifter Form zurück: Deutsche Meister im Grand Prix Special mit 80,745 Prozent.„Er ist wieder voll da. Es war sehr emotional und aufregend für mich. Ich reite ihn, seit er drei Jahre alt ist. Am meisten freue ich mich, dass ich ein topfittes Pferd habe, das jetzt zudem noch kräftiger und gelassener geworden ist. Allerdings haben sich heute noch ein paar Fehlerchen eingeschlichen. Wir hatten einen kleinen Rumpler in den Einerwechseln und einmal sind wir im Kreuzgalopp angaloppiert“, so Dorothee Schneider nach dem Sieg.

Für die morgige Grand Prix Kür, den Longines Großer Optimum Preis, hat sich die Reiterin aus Framersheim allerdings für Sammy Davis jr. entschieden. „Er ist fit für die Kür. Showtime FRH werde ich jetzt erst langsam wieder hochdosieren.“

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Sie hätte für die Sensation des Tages sorgen können: Als letzte Reiterin hätte die Dressur-Queen Isabell Werth mit ihrem Nummer 1-Pferd Bella Rose Gold und mit Emilio Bronze holen können. Damit hatten wohl auch viele gerechnet, schon da sich Isa und Bella gestern in Topform zeigten und den Grand Prix für sich entscheiden konnten.

Es sollte aber anders kommen. Ausgerechnet die erfahrene Isabell Werth verritt sich im Sattel der 15-jährigen Westfälin Bella Rose (v. Belissimo)! „Das kostete zwei teure Punkte Abzug“, sagte Bundestrainerin Monica Theodorescu. „Ich weiß um die Tragödie des Klingelns“, so Richard Richenhagen, „und deshalb wartete ich noch 3 Sekunden. Es ist allerdings charmant, besonders für die Zuschauer, wenn solche Fehler passieren. Denn es kann jedem passieren. Im letzten Jahr verritt sich auch Sönke Rothenberger.“ Und somit gewann die 50-jährige Rheinbergerin die Silbermedaille mit dem 13-jährigen Emilio (v. Ehrenpreis) mit 79,647 Prozent. Mit Bella Rose landete sie mit 79,471 Prozent auf Rang vier.

„Ich bin superstolz auf Emilio. Er hat sich hier toll präsentiert, war sehr konstant in der Leistung. Auch Bella hat sich toll gezeigt, hat noch ein Schippchen mehr draufgelegt als gestern… Und dann kam ich… Insgesamt waren die Pferde heute besser als ich. Ich konnte ihnen heute nicht gerecht werden“, sagte Isabell Werth in ihrer unnachahmlichen ironischen Art. „Ich werde jetzt meine Gehirnzellen rekonstruieren, damit ich auch die richtigen Wege wieder finde. Ich war heute nicht gut genug. Fertig!“ In der morgigen Kür tritt sie mit Emilio an.

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