Werner Ahrens starb am 27. Januar im Alter von 89 Jahren. Foto: Pia Mertens

Balve. Am Dienstag, 27. Januar, verstarb der Ehrenvorsitzende der Balver Heimwacht und Bundesverdienstkreuzträger Werner Ahrens im Alter von 89 Jahren. Ludger Terbrüggen blickt auf seine Tätigkeiten in der Heimwacht und in der Stadt Balve gedenkend zurück.


Werner Ahrens hat sich zeit seines Lebens in herausragender Weise um die sauerländische Eigenart in Sprache, Brauchtum, Literatur und Kunst verdient gemacht und in mehr als sechs Jahrzehnten kreativen Schaffens als Grafiker, Designer und Maler, vor allem aber auch als engagierter Heimatkundler alten wie jungen Menschen geschichtliches Wissen anschaulich nahe gebracht.

Ein viertel Jahrhundert war er Vorsitzender der „Heimwacht Balve“, der er Gesicht und Stimme gab und als Ideen-und Stichwortgeber, als rastloser Initiator und Organisator von Vortragsveranstaltungen und Ausstellungen, als Stadt-und Kirchenführer „seiner Heimwacht“ im wohl verstandenen Sinne einen prägenden Stempel aufsetzte. Zugleich war Werner Ahrens Buchautor über Balve und die Balver Pfarrkirche sowie Verfasser und Gestalter unzähliger Schriften und Broschüren, Illustrationen und Plakaten über Kunst und Kultur, über Geschichte und Geschichten in seiner geliebten Heimatstadt.

Jenseits seiner beruflichen Ambitionen hat Werner Ahrens große Teile seines kreativen Schaffens uneigennützig und kostenfrei vielen Vereinen und Institutionen zur Verfügung gestellt. Das von ihm geschaffene Mammut ist überall im Balver Stadtgebiet präsent und ist mittlerweile zu einem stolzen Identifikationsmerkmal aller Balver geworden. Die „Aktion Saubere Landschaft“ zählt seit Jahrzehnten zu den festen Veranstaltungen in Balve, die wesentlich auf die Heimwacht unter seiner Führung zurückgeht.

Parallel zu seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Vereinsvorsitzender gehörte er dem Rat der Stadt Balve von 1975 bis 1982 an und war zugleich Vorsitzender des Kulturausschuss. Die Vorbereitung und Durchführung der Feierlichkeiten anlässlich der 550sten Wiederkehr der Verleihung der Stadtrechte 1980 sowie die Neugründung des Balver Höhlenfestspielvereins waren zwei herausragende Großprojekte, denen er sich mit großem Elan und unermüdlichem Einsatz widmete. So ergänzte er seine Arbeit in der Heimwacht, so dass er sich in vielfältiger Weise Verdienste um das kulturelle Leben in Balve erwarb.

Werner Ahrens dachte und handelte stets über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus und knüpfte regelmäßig Kontakte zu benachbarten Heimatvereinen, aus denen eine Fülle gemeinsamer (Vortrags)Veranstalt- ungen, Ausflüge und Kontakte entstanden. So war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, beim Sauerländer Heimatbund im erweiterten Vorstand mitzuarbeiten. Das Kurköllnische Sauerland lag ihm besonders am Herzen und seine tiefe christliche Verwurzelung im katholischen Glauben gaben ihm immer große Kraft. 20 Jahre war er im „Förderverein Luisenhütte“ aktiv, der ältesten, vollständig erhaltenen Hochofenanlage Deutschlands, und setzte sich, zuletzt als Ehrenmitglied, im Verein „Wasser-Eisen-Land“ für den Schutz und Erhalt historischer Industriekultur in Südwestfalen ein.

Maßgeblich auf seine Initiative hin geht die geschichtliche Aufarbeitung eines dunklen Kapitels Balver und auch deutscher Geschichte zurück. In den Jahren 1592 bis 1666 fielen in Balve ca. 300 Menschen der Hexenverbrennung zum Opfer, womit Balve zu trauriger Berühmtheit gelangte. Werner Ahrens hat diese schrecklichen Ereignisse ins öffentliche Bewusstsein der Menschen gerückt und neben einer Reihe von Vorträgen und öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen nicht zuletzt auch und vor allem durch die Aufstellung einer Gedenkstele 2006 an der Hinrichtungsstätte am Galgenberg ein sichtbares Zeichen des Andenkens geschaffen. 340 Jahre nach dem letzten Hexenprozess hatte auf seine Initiative hin der Rat der Stadt Balve am 24. Juni 2015 einstimmig und feierlich beschlossen, alle Opfer des Hexenwahns zu rehabilitieren.

Weit über die Grenzen von Balve hinaus war er ein gesuchter und geschätzter Ansprechpartner und Ratgeber, wenn es um die Vermittlung geschichtlichen Wissens, um die Wahrnehmung von Bildungsaufgaben in diesem Zusammenhang sowie den Schutz der heimatlichen Landschaft, der Natur, Bau-und Kunstdenkmäler ging.

Werner Ahrens lebte Geschichte und war in seinem Tun und Handeln unverwechselbar. Getreu dem Motto seines Vereins „Heimat erhalten – Zukunft gestalten“ schöpfte er seine Passion und Motivation vor allem auch aus der Liebe zu seiner Heimatstadt Balve und seiner christlichen Verwurzelung in seiner sauerländischen Heimat. Unermüdlich setzte er sich gegen das Vergessen ein und hat mit Blick auf sein über 60-jähriges Wirken in all den Jahren des Umbruchs, des Werteverfalls und einer zunehmenden Orientierungslosigkeit in unserer Gesellschaft immer wieder Akzente der Beständigkeit und des Halts gesetzt, in dem es ihm und seinem Verein gelang, mit der historischen Sicht der Dinge die tagesaktuellen Aufgeregtheiten zu relativieren.

2016 legte er nach 25 Jahren den Vereinsvorsitz nieder und wurde von den Mitgliedern der Heimwacht zum Ehrenvorsitzenden gewählt. In Anerkennung und Würdigung seiner herausragenden Leistungen verlieh ihm der Bundespräsident am 18. Dezember 2019 das Bundesverdienstkreuz.

Werner Ahrens hat sich weit über die Grenzen Balves hinaus verdient gemacht! Die Heimwacht wird ihn nicht vergessen und ihm ein ehrendes Gedenken bewahren!