Franz Gercken (links) war mit seinem Fähnchenclub vor Festivitäten unterwegs.  Foto: Aus 350 Jahre Schützen

Balve. Franz Gercken war sicherlich einer der bekanntesten Balver Gesichter. Nun ist der 91-jährige Familienvater und Ehemann verstorben. Gercken hat sich in seinem langen Leben in vielerlei Hinsicht um seine kleine Stadt im Sauerland verdient gemacht. Viele werden ihn in bester Erinnerung behalten.
Martin Terbrüggen beerbte ihn in seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der St.-Sebastian-Schützenbruderschaft. Bevor er das Amt 2001 von ihm übernahm, war er bereits ein Jahr lang kommissarisch darin tätig. Franz habe ihn sehr gut eingearbeitet. Bevor Franz Gercken nach einer längeren Auszeit im Jahr 1989 Geschäftsführer wurde, war er 8 Jahre im Beirat tätig und 11 Jahre als Fähnrich.
Eines seiner Hobbys war das Radfahren. Sicherlich einer der Gründe warum er bis ins hohe Alter noch fit war „Der war schon heiß. Er schoss immer um die Sorpe, das war eine Leidenschaft von ihm“, erklärt Martin Terbrüggen, der das Amt mittlerweile an seinen Nachfolger Thomas Scholz abgegeben hat.
Doch nicht nur nach ­außen war Franz Gercken für die Bruderschaft tätig. Auch in seinem markanten Haus an der Mellener Straße brachte er unzählige Stunden an der Schreibmaschine zu und verfasste unter anderem die Bücher 333 Jahre Schützen und 350 Jahre Schützen. Nach 31 aktiven Dienstjahren wurde Franz Gercken zum Ehrenvorstandsmitglied der St.-Sebastian-Schützen ernannt.
Auch in den „Geschichten aus der Alten Zeit II“, herausgegeben 2002 vom Kolping, verewigte er sich. Eine seiner Geschichten spielte im Jahr 1957, als er einen Bankraub vereitelte und dabei eine Schusswunde davon trug. (Dazu mehr an anderer Stelle dieser Ausgabe). Der Raub wurde vom bekannten Krimi Regisseur Jürgen Roland fürs deutsche Fernsehen verfilmt. Franz spielte sich darin selbst.
Gemeinsam mit Hubert Hahn, Paul Lübke, Manfred Rotermund und Heinz Friedriszk organisierte er in den 80er Jahren das erste Stadtfest in Balve. „Damals noch vorm Rathaus, ohne Straßensperrung“, erinnert sich Heinz Friedriszk.
Entstanden war das Fest seinerzeit aus dem sogenannten „Schnäppchenmarkt“, bei dem Franz, charmant  wie er war, seine Damenunterbekleidung feilbot, weiß Rolf Biggemann über seinen langjährigen Weggefährten zu berichten. Denn Franz Gercken war natürlich auch in der Balver Geschäftswelt aktiv.
Als Inhaber des Modegeschäftes Gercken war er einer der Mitbegründer des Vereins Balver Werbegemeinschaft, der damals noch Balver Fachhandel hieß. Das Modegeschäft Gercken, in dem er gemeinsam mit seiner Frau Textilien verkaufte war bis in die 2000er Jahre an der Hauptstraße untergebracht, bevor dort Petras Haarstudio und die Praxis ErgoLogo Babelfisch einzogen, die dann von Ergotherapie Köppe abgelöst wurde.
Rolf Biggemann, Ehrenvorsitzender der Balver Werbegemeinschaft erinnert sich gerne daran zurück, wie er damals noch als  Beisitzer den Posten als 2. Vorsitzender von ihm übereignet bekam. „In der Sitzung sagte er plötzlich: So Rolf und du machst jetzt meinen Posten! So war er“, erzählt er schmunzelnd. 
Noch bis ins hohe Alter schlug Franz‘ Herz für die verschiedenen Balver Veranstaltungen. Pünktlich zum Schützenfest, Stadtfest und Reitturnier stieg „Fränzchen“ mit seinem Fähnchenclub auf die Leiter, um die Hauptstraße mit Fahnengirlanden zu schmücken. Die Fähnchen wurden nach dem Abhängen säuberlich gefaltet und bei ihm untergebracht. Den Club hatte er seinerzeit anlässlich des Kreisschützenfestes mit ins Leben gerufen.
Nach getaner Arbeit setzte er sich gerne mit seinen Club-Kameraden in Biggemanns Garage, um dort bei einem kalten Getränk Balver Dönekes auszutauschen.
Sein Engagement (inklusiver Döneken) ist auch im Dokumentarfilm 350 Jahre Schützen aus dem Jahr 2013 festgehalten (YouTube ab Min.14:40).
Rudolph Rath erinnert sich an Franz als ehrenamtliches Vorstandsmitglied im Förderverein und als Betreuer in der TOT (heute Jugendzentrum). Er habe sich um die Balver offene Kinder- und Jugendarbeit über Jahrzehnte verdient gemacht. Er habe das Amt 1978 in Raths Nachfolge übernommen und dieses für 20 Jahre bekleidet. „In dieser Zeit wurden vom Vorstand die Weichen gestellt, um die Leitung des immer umfangreicheren Freitzeit- und Betreuungsangebotes mit hauptamtlichen Fachkräften kontinuierlich zu sichern. Dazu gehörten über viele Jahre u. a. auch der Jugendfilm- und Freizeitclub, der Balver Kinderchor und der Balver Vorkindergarten“, erinnert sich Rath.
Im Jahre 1994 wurde die TOT an die Stadt übergeben, auch diesen Übergang habe Franz Gercken, gemeinsam mit Engelbert Falke (†2023) maßgeblich mitgestaltet. Vielen heute Erwachsenen sei Franz noch immer in Erinnerung als beliebter und engagierter Ansprechpartner.
In späten Jahren half Franz ehrenamtlich verwitweten Menschen besser mit ihrem Verlust klarzukommen.
Franz Gercken war Ehegatte, Vater, Großvater, Schützenbruder, Vetter, Kegelbruder, Zuhörer, Skatbruder, Vermieter, Fähnchenaufhänger, Jugendbetreuer, Geschäftsmann, Organisator, verdienter Bürger und vielen ein guter und lieber Freund.
Er verstarb am 8. Januar und wurde am 17. Januar in seinem Balve beigesetzt. DP