Balve. Die Grippewelle, die Deutschland erfasst hat, ist in aller Munde. Auch die Menschen in der Stadt Balve bleiben davon nicht verschont. Doch ist sie wirklich schlimmer, als die Jahre zuvor? Krankheit trotz Impfung? Spielt das Corona-Virus eine Rolle? Was kann ich dagegen tun? Zu diesem Thema stellt die HÖNNE-ZEITUNG dem heimischen Hausarzt Dr. Paul Stüeken drei Fragen, die ein bisschen Aufklärung bringen sollen.

Bis vor Corona konnten wir den Beginn der Grippewelle zuverlässig auf Ende Januar/Anfang Februar terminieren. Doch seit Corona hat sich dies etwas geändert. Nach meiner Beobachtung beginnt die Welle tatsächlich früher. Bereits über Weihnachten wurden viele Fälle registriert. Seit Beginn des Jahres sind die Erkrankungsfälle massiv angestiegen. Die Betroffenen sind auch richtig krank und dies über 2-3 Wochen. Zudem beobachten wir, dass auch viele Kinder und junge Menschen betroffen sind. Daher fordern einzelne Ärzte-Vertreter die Impfempfehlung auch für jüngere Jahrgänge einzurichten! Bisher wird die Impfung nur Risikogruppen und Menschen ab 60 Jahren empfohlen. Daher habe ich in dieser Saison auch meine Kinder geimpft!
Im Herbst wird immer zur Grippe-Schutzimpfung aufgerufen, doch diesmal soll es sich um eine neue Variante des Virus handeln, wie sie eigentlich jedes Jahr auftritt. Ist denn da eine Schutzimpfung überhaupt zielführend, wenn ich mich dann trotzdem auf eine Grippeerkrankung einstellen muss, und kann man sich jetzt noch davor schützen?
Die Grippeschutzimpfung kann auf jeden Fall vor einem ausgeprägten Krankheitsverlauf schützen. Laut Studien liegt die Erfolgsaussicht dafür bei fast 100 Prozent! Tatsächlich konnte ich in der Praxis in diesem Jahr noch keinen Patienten mit einer Influenza-Erkrankung nachweisen, der auch gleichzeitig geimpft war. Alle bisher Erkrankten waren ungeimpft!
Dies zeigt meiner Ansicht nach, dass die Impfung Erfolg hat! Für mein Dafürhalten macht die Impfung aktuell immer noch Sinn! Zudem ist der Impfstoff sehr gut verträglich. Nebenwirkungen wurden fast keine berichtet.
Ein halbes Jahrzehnt nach Beginn der Corona-Pandemie hat dieser Virustyp seinen großen Schrecken verloren. Spielt der Erreger derzeit eine Rolle, oder handelt es sich tatsächlich bei den Erkrankungen ausschließlich um eine „normale“ Grippe, die aber bekanntermaßen auch vom Krankheitsverlauf nicht zu unterschätzen ist?
Die Corona-Infektion spielt in der Praxis ganzjährig eine Rolle. Immer wieder testen sich einzelne Patienten positiv. Allerdings ist die Durchseuchung in Deutschland sehr weit fortgeschritten, sodass unser Immunsystem den Erreger nun kennt und darauf gut reagieren kann. Dadurch sehen wir nur ganz wenige schwere Verläufe.
Allerdings sollten wir auch hier gerade die Risikogruppen weiterhin durch Impfungen schützen! Für diese Patienten stellt das Virus nach wie vor eine Gefahr dar. Dies erreichen wir durch die Impfungen, die für Personen ab 60 Jahren und Risikogruppen jährlich empfohlen wird.
Somit verhält es sich wie bei der Grippeschutzimpfung. Das liegt daran, dass das Immunsystem in der Leistungsfähigkeit beim Älterwerden nachlässt und immer wieder durch diese Impfungen unterstützt werden muss!
Vielen Dank Herr Dr. Stüeken für die Informationen an unsere Leser.
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Das Interview führte Roland Krahl per E-Mail.






