Das Balver Bier wird am Happy-Einkaufstag erstmals verköstigt.   Foto: Laura Berken

Balve. Eine Legende kehrt zurück. „Das Balver Lüll, das steigt dir an den Krüll“ steht es an der Wand des Drostenkellers geschrieben. Hier wurde es einst gebraut, das Bier, das vielen Balvern noch bekannt und gleichzeitig unbekannt ist und wie wenig anderes mit nostalgischen Gedanken verknüpft wird, obwohl niemand, der den legendären Gerstensaft je gekostet hat heute noch leben dürfte.
1910 endete das Braugeschäft im Balver Land, das Rezept für das Sehnsuchtsgetränk wurde an die Iserlohner Brauerei verkauft und geriet in Vergessenheit. Die erste schriftliche Erwähnung des Lülls geht bereits auf das Jahr 1587 zurück und spätestens ab dem Jahr 1600 wurde der Exportschlager selbst in die Adelskreise von Köln geliefert.
So heißt es zumindest in der Einladung der Balver Lüll eGbR, unterzeichnet von Adalbert Allhoff-Cramer, Volker Griese, Cordula Nemetz, Julius Rau und René Vormweg. Bereits im Jahr 2019 habe sich eine Gruppe Balver Hausbrauer der Aufgabe gestellt das Balver Lüll wiederzubeleben.
Die größte Schwierigkeit habe darin bestanden, herauszufinden, wie das Bier dereinst gebraut wurde, sei das Rezept doch immer noch verschollen. Mittels des Studiums historischer Quellen und Dank der Beratung durch einen pensionierten Braumeister habe man versucht dem Originalgetränk möglichst nahe zu kommen.
Bernsteinfarben –
mit etwas mehr Spritz
Herausgekommen ist dabei ein bernsteinfarbenes obergäriges Kellerbier. Genauer gesagt ein westfälisches Kellerbier. „Das hat etwas mehr Spritz und kommt dem Geschmack der heimischen Pilstrinker eher entgegen“, erklärt Volker Griese. Vor der Erfindung der Kältemaschine habe man in der hiesigen Region noch kein untergäriges Pils gebraut.
Ob man diese Herausforderung meistern konnte, wird sich am Happy Einkaufstag herausstellen. An der alten Blasius-Apotheke soll ein kleiner Biergarten eingerichtet werden, wo man das Bier dann verkosten kann. Hier kann man die Protagonisten des Revivals persönlich kennenlernen und sich erzählen lassen, wie die Gruppe aus Balvern ihr „legendäres Bier neu erfunden hat“.
Vorerst sind 1000 Liter in Flaschen aber auch Fässern bei der Waldstadt-Brauerei in Iserlohn bestellt. Das Bier kann voraussichtlich über die heimische Gastronomie bezogen werden. Bei ausreichendem Interesse ist eine Anschlussproduktion geplant.
Bereits im Jahr 2017 gab es einen YouTube Clip, der die Rückkehr des Kult-Getränks ankündigte. Nachdem der Clip zu vielen Nachfragen bei Balver Getränkehändlern sorgte, stellte er sich aber als Aprilscherz heraus. Dies sei diesmal nicht der Fall, versichern die Verantwortlichen. DP