Eine bunte Blumenwiese erfreut nicht nur das Auge, sondern besonders die Insekten.
Stadt Balve. Schon Wolfgang Petry sang auf seinem Album „Achterbahn“ im Jahr 2001: „Auf Majas Wiese ist was los!“ Das er damit vollkommen recht hat, weiß jeder, der schon mal eine Wildblumenwiese beispielsweise am Sorpesee aufgesucht hat. Es summt und brummt an jeder Ecke, Schmetterlinge, Wildbienen und auch Honigbienen haben allerlei Freude an der bunten Blumenpracht.
Aber wie bekomme ich ein solches Blütenmeer in den heimischen Garten? Die HÖNNE-ZEITUNG holte für Sie Tipps bei Imker und Tierwirt Wilfried Gerken darüber, wie man eine schnöde Rasenfläche in ein Paradies für Insekten verwandelt.
Um eine ökologisch wertvolle Fläche zu kultivieren ist es zunächst mal wichtig, dass der Boden nicht „zu fett“ ist. Das bedeutet, dass er möglichst nährstoffarm sein soll, ansonsten haben Gräser leichtes Spiel, diese verdrängen dann die Blütenträger. Falls der Boden aber bereits zu nährstoffreich ist, kann man die obere Schicht abtragen und Sand oder Schotter einarbeiten, damit die Nährstoffdichte abnimmt. Der ideale Zeitpunkt zum Einsäen ist der Frühling (März – Mai) oder der Spätsommer (August – September). Die Fläche sollte vor der Aussaat erst einmal gründlich von Rasen, Quecke und Problemunkräutern befreit werden.
Unter Quecke versteht man ein hartnäckiges Gras-Unkraut, das sich kriechend durch lange unterirdische Ausläufer, sogenannte Rhizome ausbreitet, sehr stark überwuchert und durch ihre Konkurrenzstärke andere Pflanzen quasi „erstickt“. Hat man die Fläche entsprechend vorbereitet, kommen zunächst mehrjährige Zwiebelpflanzen an die Reihe. Hier kann es sinnvoll sein, darauf zu achten, derlei Sorten auszuwählen, die auch verwildern, um die Wiese nachhaltig zu gestalten.

Ein bunter Sommerstrauß bringt den Garten ins Haus.
Frühblüher, wie Traubenhyazinthe, Winterling, Schneeglöckchen, Krokus und Wildtulpe begrüßen Wildbiene und Hummelkönigin, wenn sie im Frühjahr erwachen. Außerdem steigern sie die Laune des Gärtners, wenn sie nach der kargen Winterzeit ihre Köpfchen aus der Erde recken und so den nahenden Frühling ankündigen.
Die Zwiebeln sollten in kleinen Gruppen (3-10 Stück) etwa 5-10 cm tief eingesetzt werden. Am liebsten mögen sie sonnige bis halbschattige Plätze.
Wichtig ist es im Folgejahr darauf zu achten, die verblühten Blumen nicht gleich abzuschneiden. Die Pflanzen müssen ihre Nährstoffe zunächst in die Zwiebel zurückziehen. Der erste Wiesenschnitt sollte also erst Ende Juni passieren.
Bei der Sortenwahl sollte man darauf achten, keine modernen Gartensorten zu nehmen, sondern eher kleinwüchsige Arten. Hat man die Zwiebeln unter zur Hilfenahme einer Eisenstange oder einer Pflanzhilfe gesetzt, geht es an die Aussaat der Wildblumen. Auch hier ist es wichtig darauf zu achten, welches Saatgut man kauft.
Es gibt regionale, zertifizierte Saatgutmischungen, die Kräuter wie Schafgarbe, Wiesensalbei oder Thymian enthalten, aber auch Blumen wie Kornblume, Margerite oder Klatschmohn, Kleearten, wie Weiß- und Rotklee und verschiedene Glockenbumenarten. Sonnenblumen oder Stockrosen können die Wiese später auflockern.

Silphie und Rosen können die Wiesenvielfalt auflockern. Fotos: Daniel Pütz
Zur besseren Aussaat empfiehlt es sich, die Samen mit Sand zu mischen, so dass sie sich besser verteilen lassen. Auch hier ist der beste Zeitpunkt das Frühjahr oder der Spätsommer/Herbst. Das Saatgut wird nur leicht eingeharkt, da es sich um Lichtkeimer handelt, brauchen sie die Sonne um aufzugehen. Im Anschluss kann man sie leicht anwalzen oder mit Brettern andrücken. Wichtig ist es in der Anfangszeit zu wässern.
Im ersten Jahr sollte die Fläche zwei bis drei mal auf 8-10 Zentimeter zurückgestutzt werden, wenn die Pflanzen etwa 15-20 Zentimeter erreicht haben. So verhindert man, dass Gräser und Unkräuter die Wildblumen verdrängen. Dabei ist darauf zu achten, dass man seine Zwiebelpflanzen nicht gleich mit kürzt.
Im weiteren Verlauf sollte die Wiese ein bis zweimal pro Jahr gemäht werden. Die Zeit Ende Juni und September/Oktober bieten sich hier an. Man sollte warten, bis die Wildblumen verblüht sind und ihre Saat ausgebracht haben, dies ist im September/Oktober der Fall. Dennoch empfiehlt es sich im Frühjahr nachzusäen, um die konkurrenzstarken Gräser zurückzudrängen. Nicht gewünschte Pflanzen können vor der Blüte ausgemerzt werden.
Einen weiteren Tipp hat Gärtnermeister Mario Fellechner. Die meisten Schnittempfehlungen orientieren sich an der landwirtschaftlichen Wiesennutzung. Für reine Hobbygärtner kann es daher sinnvoll sein auf den Sommer/Herbstschnitt zu verzichten und lediglich im zeitigen Frühjahr zu mähen. Vorteil: spät blühende einjährige Blumen werden vom Junischnitt nicht beeinträchtigt und haben so die Chance sich zu vermehren. Außerdem dient das über den Winter liegende Gestrüpp vielen Tieren als Unterschlupf.
Nach der Maat ist es wichtig, das Schnittgut abzufahren, damit der Boden nicht unnötig eutrophiert – das heißt mit Nährstoffen angereichert wird. Wer seinen Garten so bestellt, hat nicht nur das ganze Jahr über Freude an den verschiedenen Blumen, die zur Blüte kommen, er leistet auch im Gegensatz zu Zierrasen- und Steingärtnern einen echten Beitrag zur ökologischen Vielfalt. Auf so einer Wiese entsteht ein eigenes Ökosystem.
Eidechsen fühlen sich hier wohl, insektenfressende Vögel, wie Schwalbe und Mauersegler finden hier Nahrung, der Stieglitz frisst Samen, Igel, Feld- und Spitzmaus finden im Gras ein Domizil und dienen Greifvögeln, wie dem Turmfalken als Beute. Eine solche Blumenwiese zaubert einem also nicht nur gratis immer frische Schnittblumen auf den Tisch, sondern stellt gleichzeitig einen echten Hotspot für Biodiversität dar.
Dazu kommt: Einmal angelegt, macht sie nur sehr wenig Arbeit. Statt samstäglichem Rasenmähen unter Protest der Nachbarn, kann man sich in seinen Liegestuhl zurücklehnen und die Farbenpracht genießen, lediglich ein- bis zweimal im Jahr wird die Sense angesetzt. So leistet man mit einer solchen Wohlfühloase nicht nur seinen Beitrag für Umwelt und Tierschutz, sondern steigert auch das eigene Wohlbefinden durch Entschleunigung und Verminderung von Stress. DP





