Stolz nahmen die Frauen die Dorfplakette entgegen. Foto: privat

Garbeck. Ein Stück Dorfgeschichte geht zu Ende: In einer außerordentlichen Versammlung haben die Mitglieder der katholischen Frauengemeinschaft (kfd) Garbeck die Auflösung des Vereins zum 31. Dezember beschlossen. Von den noch 68 Frauen stimmten 65 für diesen Schritt, nur drei dagegen. Damit war die notwendige Mehrheit eindeutig erreicht.
„Es ist ein schwerer Schritt, aber uns bleibt anscheinend keine andere Möglichkeit“, bedauert Vakanzbeauftragte Gundhild Busche. Trotz großer Bemühungen konnte keine neue Vorsitzende gefunden werden, der so dringend benötigte Nachwuchs fehle. Seit 2017 ist die Zahl der Mitglieder von über 400 auf 68 gesunken. Auch bundesweit hat der Katholische Frauenbund anscheinend an zeitgemäßer Relevanz verloren – Wertschätzung und Unterstützung bleiben vielerorts aus.

Über 100 Jahre
gelebte Gemeinschaft

Am 16.12.1923 wurde die kfd Garbeck ins Leben gerufen. Foto: privat

Die Wurzeln der kfd Garbeck reichen zurück bis ins Jahr 1923. Am 16. Dezember gründeten Frauen und junge Mädchen unter der Leitung von Pfarrer Stahl im Saal der Wirtschaft Vollmer einen Zweigverein des Katholischen Deutschen Frauenbundes. Erste Vorsitzende war damals Frau Lotze, Pfarrer Stahl übernahm das Amt des geistlichen Beirats.
Bereits in den Anfangsjahren organisierte die Gemeinschaft Vorträge über Krankenpflege und Erste Hilfe sowie einen dreitägigen Gesundheitskurs im Februar 1927.
Am 14. Juni 1926 fand erstmals die jährliche Wallfahrt nach Werl statt, am 22. November 1931 wurde zudem die Elisa­beth­feier ins Leben gerufen. Beide Veranstaltungen entwickelten sich zu festen Traditionen im Jahreskalender der kfd, die erst mit Beginn der Corona-Pandemie unterbrochen wurden.
Während der Kriegsjahre ruhten die Aktivitäten. Doch schon 1948 wurde die Gemeinschaft unter Pfarrer Weber als „Frauen- und Mütterverein St. Elisabeth“ wiederbelebt. Vorsitzende war damals Maria Keggenhoff, der Verein zählte zu diesem Zeitpunkt 307 Mitglieder.

Aufschwung und neue Impulse
In den 1960er- und 70er-Jahren prägten engagierte Frauen wie Martha Vedder, Vorsitzende im Zeitraum von 1964 – 1975, und ihre Nachfolgerin Anita Schulte die Arbeit der kfd. Unter Frau Vedder entstand 1966 aus einem achtköpfigem Singekreis der Frauenchor Garbeck, heute bekannt unter dem Namen „Cantiamo“. 
1972 fand der erste Adventsbasar statt, der bis 2016 fortgeführt wurde. In den 45 Jahren konnten so mehr als 130.000 Euro für Missionsstationen in Afrika und Peru sowie für das Deutsche Aussätzigen-Hilfswerk gespendet werden.

Auf dem Garbecker Patronatsfest am 6. Januar 2015 wurde die kfd mit der Dorfplakette geehrt.

Auch soziale Initiativen wuchsen aus der kfd heraus – etwa die Krabbelstube für Mütter mit Kleinkindern. 
Im Frühjahr 1989 zog sich Anita Schulte aus gesundheitlichen Gründen zurück. Da keine neue Vorsitzende gefunden werden konnte, wurde ein Leitungsteam gegründet, dies bestand aus Anne Klüter, Rita Kraus, Anni Severin, Gisela Bolwien, Monika Vielhaber und Gundhild Busche. 2001 entstand der Kreuzweg in der Winterlyt. Dieser war ursprünglich ein Geschenk an Pfarrer Goermann und bestand aus Sammlungen innerhalb der kfd.
Das Führungsteam veränderte sich, zuletzt bestand es aus sechs Frauen: Annegret Haarmann, Klaudia Jörgens, Michaele Pütter, Renate Grevener, Monika Vielhaber und Gundhild Busche. Bis zum Ende der kfd setzten sie sich für ihren Verein ein und hielten so die Werte der ehemals so erfolgreichen Institution am Leben. 
Denn neben geistlichen Angeboten wie Wallfahrten, Kräuterweihen und Elisabethfeiern stand die kfd Garbeck stets auch für gesellschaftliches Engagement: Sie setzte sich für Mütterrente, Elternzeit und gleiche Bezahlung von Frauen und Männern ein. Das Dorfleben bereicherte sie mit Theateraufführungen, Kabarettabenden, liturgischen Tanzgruppen und zahlreichen Ausflügen.
2015 erhielten die Frauen beim Patronatsfest die Dorfplakette – eine Anerkennung für ihr jahrzehntelanges Wirken. 2023 feierte man noch das 100-jährige Jubiläum.

Ein schmerzlicher Abschied
Nun heißt es Abschied nehmen. Die Überalterung der Mitglieder, fehlender Nachwuchs und das sinkende Interesse führten zur endgültigen Entscheidung. „Die kfd Garbeck war über Generationen ein Ort der Gemeinschaft, des Glaubens und des Engagements. Mit ihrer Auflösung geht ein bedeutendes Kapitel der Dorfgeschichte zu Ende“, bedauert Gundhild Busche. 

Das Miteinander stand bei der kfd immer an erster Stelle. Foto: privat

Garbeck ist mit dieser Entscheidung nicht allein, vielerorts lösen sich die kfd-Institutionen in der heutigen Zeit auf. Doch woran liegt dieses Phänomen? Ist es wirklich der fehlende Nachwuchs, die zahlreichen Mitgliederaustritte oder einfach nur ein nicht mehr zeitgemäßes Image? Über den ausschlaggebenden Grund lässt sich nur spekulieren. Es ist jedoch zu vermuten, dass viele Menschen gar nicht wissen, worum es sich bei der kfd eigentlich handelt und welche Werte vertreten werden. Die kfd sagt dazu, dass die Mitglieder eben nicht nur für die Gleichberechtigung in der Kirche eintreten, sondern auch für Geschlechtergerechtigkeit in unserer Gesellschaft ein. Ein Thema, das gerade in der heutigen Zeit von höchster Priorität sein sollte. Die kfd setzt sich für eine gerechte und gewaltfreie Welt ein, fördert das Miteinander und hält die Werte der Nächstenliebe und Solidarität in einer zu verrohen drohenden Gesellschaft am Leben, heißt es weiter. Umso bedauerlicher ist es, dass gerade dieser Verein an Bedeutung verliert und seine Arbeit nun auch in Garbeck einstellen muss.
Mit dieser Entscheidung endet auch ein Stück Geschichte – eine Geschichte, die noch viele Kapitel hätte füllen können, auf die ihre Mitglieder aber mit Stolz und Dankbarkeit zurückblicken dürfen. LB