Derzeit gibt es sechs Sirenen alter Bauart und 2 neue digitalisierte, die in Höveringhausen und Mellen installiert sind. Fotos: Roland Krahl
Balve. Das war eine ungewöhnliche Dezembersitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Sonst ging es immer um den Haushaltsplan, in diesem Jahr aber nicht. Grund: der Haushalt ist vom Kämmerer noch gar nicht eingebracht. Das erfolgt erst in der Ratssitzung in der kommenden Woche.
So wurde in aller Ruhe in der ersten Sitzung in der neuen Legislaturperiode der stellvertretende Ausschussvorsitzende gewählt. Als gesetzter Vorsitzender fungiert immer der Bürgermeister, der Stellvertreter muss aus den Reihen des Ausschusses kommen. Einstimmig einigte man sich auf CDU-Fraktionschef Alexander Schulte.
Im weitesten Sinne um Geld ging es dann aber trotzdem beim nächsten Tagesordnungspunkt. Denn bei einer Überprüfung der Sirenen hatte sich herausgestellt, dass es viel zu wenige gibt, um die Balver Bevölkerung zu warnen. Von daher ist in den kommenden Jahren eine Aufstockung von derzeit 8 auf insgesamt 18 erforderlich, um mehr als 80 Prozent der Balver Bevölkerung zu erreichen.

Gerold Vogel stellte die Situation der Warnfähigkeit der Balver Bevölkerung durch Sirenenalarm dar.
Gerold Vogel, Zugführer der Löschgruppen Balve, Langenholthausen und Mellen, seit einiger Zeit im Dienst der Stadt Balve, kümmert sich um den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz. Er führte aus, dass derzeit acht Sirenen in der Stadt Balve angebracht sind. Im April wurde ein Sachbüro damit beauftragt, festzustellen, wie 80 Prozent der Balverinnen und Balver mit einem Schalldruckpegel von 75 dB erreicht werden können. Dies ist erforderlich, um Sirenen auch in modern gegen Lärm gesicherten Häusern zu hören.
Die Ergebnisse des derzeitigen Standes brachten zutage, dass derzeit gerade mal 1490 Einwohner erreicht werden. 13,11 Prozent war das erschreckende Ergebnis. Es muss also gehandelt werden, um die Sollzahl zu erreichen. Die weitergeführte Studie kommt dann zu dem Schluss, dass neue Standorte gesucht werden – insgesamt 18 Sirenen müssten es sein – und die Tonstärken angepasst werden müssen. Dann läge die Abdeckung bei 82,43 Prozent, so Vogel.

80 Prozent der Bevölkerung könnten gewarnt werden, wenn insgesamt 18 Sirenen in der Stadt verteilt installiert würden.
Der Fachmann im Rathaus führte weiter aus, dass es derzeit schwer wird, Sirenen zu bekommen. Er habe aber eine Firma aufgetan, die liefern könnte. Die Preise für eine Sirene liegen dabei je nach Ausführung zwischen 17 bis 25.000 Euro. Durch ein Sirenenförderprogramm des Landes könnten bis 2028 Zuschüsse beantragt werden.
Gerold Vogel betonte aber in diesem Zusammenhang, dass die Einwohner aber auch sensibilisiert werden müssten. Viele wissen nicht, was ein Sirenenalarm bedeutet und was dann zu tun sei. Ein entsprechendes Infoblatt sei bereits in Arbeit. „So muss sich jeder mit dem Gedanken befassen, auch mal 48 Stunden ohne Strom zu sein, ohne gleich in Panik zu geraten“, so Vogel. Und Bürgermeister Hubertus Mühling ergänzte: „Strom ist das Maß aller Dinge.“ Erst wenn er weg sei, merke man, dass nichts mehr geht.
Daher seien die Sirenensysteme auch vollkommen autark. Sie würden Solarpanel und eine eigene Batterie haben, die dafür sorgen, dass die Technik immer betriebsbereit sei. Auch darin begründe sich der hohe Anschaffungspreis.
Bürgermeister Hubertus Mühling: „Ich möchte vorbereitet sein, für solch einen Fall. Wir sind aber auf gutem Wege.“ Rat und Ausschüsse werden sich in den kommenden Jahren intensiv damit beschäftigen müssen, um in Balve ein umfangreiches und nahezu überall hörbares Sirenenalarmsystem zu errichten. kr




