Balve. Die langjährige Geschäftsführerin des Stadtmarketings Stephanie Kißmer (Foto) spricht mit der HÖNNE-ZEITUNG über den Sachstand der Auflösung der Balver Stadtmarketing GmbH & Co KG.

Erzählen Sie uns kurz, wie Sie zum Balver Stadtmarketing gekommen sind!
Nachdem festgestanden hatte, dass Herr Teulings nicht mehr zur Verfügung steht, wurde die Stelle ausgeschrieben und ich habe mich offiziell beworben.

Das Balver Stadtmarketing ist nun Geschichte. Wie bewerten Sie diese politische Entscheidung?
Es handelt sich nicht um eine politische Entscheidung, sondern wir (Gesellschafter und Geschäftsführung) haben lange darüber gesprochen bis wir zu diesem Ergebnis gekommen sind, dass durch den Beschluss der Gesellschafterversammlung vom 4. 12. 2025 abgeschlossen wurde.

Wenn Sie zurückschauen, welche besonderen Projekte konnten Sie für Balve realisieren?
Um nur einige Projekte zu nennen, zunächst die Balver Gutscheine. Herr Teulings konnte die Geschichte der Gutscheine nur fünf Monate erleben, seit dem habe ich die Gutscheinaktion übernommen. Wir befinden uns in der 7. Staffel. Weiterhin das Balver Kochbuch, das rasch verkauft war. Ebenso zu erwähnen die Balver Mammuts, eine Erfolgsgeschichte für Balve. Das Mammut als Sympathieträger der Stadt. Die Idee kam Anton Lübke und mir bei unseren zahlreichen wertvollen Gesprächen in seinem Büro. Bis die ersten großen 30 Mammuts in Balve an der Höhle ankamen waren eineinhalb Jahre Vorbereitung vergangen.
Darüber hinaus sollte auch der Tag der Gewerbegebiete angesprochen werden. Nur mithilfe der Unternehmer konnte dieses Projekt realisiert werden. Auch hier Vorbereitungszeit ein halbes Jahr. Dem Besucher sollte nahegebracht werden, welche Handwerksbetriebe und produzierende Unternehmen wir am Standort Balve haben. Darunter befinden sich zwei Weltmarktführer.

Die Stadt Balve hat sich vorgenommen die Aufgaben des Stadtmarketings im eigenen Haus weiterzuführen. Wo sehen Sie Schwierigkeiten?
Es ist mir nicht bekannt, dass die Stadt Balve das Wort „Stadtmarketing“ weiter verwendet. Der Stadt angegliedert ist das Innenstadtbüro, das die Bereiche Tourismus und Kultur abdeckt. Das Innenstadtbüro soll künftig die Gutscheinaktion übernehmen.

Das Stadtmarketing wurde seinerzeit als eigene Gesellschaft gegründet, auch um eine gewisse Unabhängigkeit zur Stadt zu wahren. Dies ist nun vorbei. In welchen Bereichen sehen Sie künftig Probleme durch die Verquickung von Verwaltung und Stadtmarketing?
Ich sehe keine Probleme. Das „Stadtmarketing“ wird in allen Städten unterschiedlich definiert. In Balve war es so, dass das Stadtmarketing als Dach dienen sollte und die drei Akteure in Balve, Fachhandel (heute BWG), Verkehrsverein (heute Innenstadtbüro)und das Team Wirtschaft vereinen sollte, im Hinblick auf gemeinsame Schnittstellen und gegenseitige Unterstützung. Wie wir wissen ist der Fachhandel autark geblieben, der Verkehrsverein wurde von der Stadt übernommen und ist heute ersetzt durch das Innenstadtbüro. Das Team Wirtschaft blieb also am Ende übrig und der Name Stadtmarketing wird den Anforderungen des Teams Wirtschaft / Wirtschaftsinitiative Balve nicht gerecht.

Wissen Sie in welcher Form, von wem und welche Projekte konkret künftig weitergeführt werden?
Das Team Wirtschaft wird auch weiterhin Unternehmerstammtische durchführen, ebenso werden wir mit unseren Partnern, der Wirtschaftsinitiative Nordkreis (WIN e.V.), dem Märkischen Arbeitgeberverband sowie Handwerkerinnung zusammen arbeiten. Der Austausch mit anderen Städten wird ebenfalls bleiben. Da ändert sich also gar nichts.

Hatten Sie noch größere Vorhaben, die nun nicht mehr umgesetzt werden können?
Nein, alles, was das Team Wirtschaft angeht, wird auch umgesetzt.

Was ist genau das Team Wirtschaft?
Das Team Wirtschaft setzt sich zusammen aus den Gesellschaftern des Stadtmarketings und darüber hinaus aus weiteren Unternehmen und Handwerksbetrieben in Balve. Ich stelle die Themen zusammen in Absprache mit den Gesellschaftern und bin zuständig für die Durchführung.

Wird es das Wirtschaftsgespräch weitergeben?
Ja, das Wirtschaftsgespräch in Wocklum gibt es auch weiterhin. Die Organisation des WG übernehme ich weiterhin wie gehabt.

Wie verhält es sich mit dem Tag der Gewerbegebiete?
Der Tag der Gewerbegebiete war auch eine Idee von Herrn Anton Lübke und mir. 2006 fand der erste Tag der Gewerbegebiete statt in der Glärbach. Wir haben im Laufe der Jahre die Veranstaltung immer wieder geändert und angepasst. Ihn wird es auch künftig geben, allerdings nicht mehr so breitflächig wie im Braukessiepen, sondern nur bei einem Unternehmen in Balve, das an dem Tag seine Türen öffnet für Besucher, Arbeitsuchende und Schüler. Alles wieder gemeinsam mit dem MAV und der Handwerkskammer sowie der Agentur für Arbeit.

Wie hat man Ihnen gegenüber die Liquidation des Stadtmarketings begründet?
Wie bereits erwähnt, haben wir diese Entscheidung einvernehmlich gemeinsam getroffen (Gesellschafter und Geschäftsführung).
Nach so vielen Jahren hängt ihr Herz auch sicher weiterhin an der Stadt Balve. Welche Wünsche haben Sie für die Stadt in Zukunft?
Für Balve aber auch für andere Kommunen wünsche ich mir eine entspanntere Finanzsituation, das „ausbluten“ der Kommunen ist ein großes Problem. Die Abgaben und Umlagen bieten kaum noch Handlungsspielraum. Ebenso wünsche ich den Betrieben ein baldiges Ende des wirtschaftlichen Engpasses.

Mit der Auflösung des Stadtmarketings gewinnen Sie auch mehr Zeit. Wie gedenken Sie diese künftig zu nutzen?
Auch hier bleibt alles wie gehabt. Viel Arbeit bleibt, die ich gerne und mit Freuden bewältige. Gemeinsam mit Herrn Dirk Sasse (Hundrieser + Partner) sind wir die Liquidatoren des Stadtmarketing, die beide Gesellschaften (GmbH und KG) auflösen werden. Nach dem Sperrjahr erlischt das Stadtmarketing zum 1. 1. 2027.

Frau Kißmer, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Daniel Pütz per E-Mail.