Diese Drehleiter soll nach Balve kommen. Kostenpunkt 583.000 Euro. Foto: Vorstellung Stadt Balve entnommen
Balve. Nach der Verabschiedung des Haushaltsplanes für das Jahr 2026 schockte Bürgermeister Hubertus Mühling die Ratsherren mit einer unerfreulichen Nachricht. Die Drehleiter der Feuerwehr Balve wurde beim letzten Einsatz im Hönnetal, als ein Baum beseitigt werden musste, derart beschädigt, dass sie, nach Inspektion im Werk in Ulm, einen wirtschaftlichen Totalschaden erlitt. Der Wert wird auf 25.000 Euro geschätzt, die Reparatur liegt um vielfaches höher.
Gerold Vogel, Verwaltungsangestellter bei der Stadt und Löschzugführer in Balve, erläuterte den Ratsmitgliedern, dass eine Drehleiter zwingend erforderlich sei, da die Hilfeleistungszeiten sonst nicht eingehalten werden können. Zurzeit habe die Feuerwehr Iserlohn bis kommende Woche eine Ersatzleiter zur Verfügung gestellt. Ab dann wäre eine Leihleiter erforderlich, was zwischen 500 bis 1000 Euro pro Tag kosten könne. Ein Schock!
Eine neue Drehleiter ist erforderlich weil:
Vogel hatte sich aber mal umgehört nach einer gebrauchten sofort zur Verfügung stehenden Leiter und musste lange suchen. „Der Markt ist leergefegt. Leitern gehen nicht mehr zurück an die Hersteller, werden direkt weiter verkauft.“ Trotzdem wurde er fündig. Zum einen gab es eine Leiter, die nur zwei Jahre jünger war als die derzeitige Balver Leiter zum Preis von 150.000 Euro und eine fünf Jahre alte Leiter mit lediglich 421 Betriebsstunden aus einem Pool einer privaten Verleihfirma. Neupreis, 1,1 Millionen Euro, Verkaufspreis 583.000 Euro.
Die Frage, warum denn die Balver Leiter so wenig Wert sei, konnte Gerold Vogel ebenfalls beantworten. Vor 24 Jahren musste innerhalb weniger Tage eine neue Leiter her, ähnlich wie im jetzigen Fall. Diese stand zur Verfügung, war allerdings ein Exot auf dem Markt mit seiner 18 Meter langen Leiter. „Heute gibt es kaum noch Ersatzteile dafür. Daher müssen auch bei der jetzigen Reparatur Teile extra hergestellt werden“, erläuterte er.
„Aus kaufmännischer Betrachtung müssen wir heute eine Entscheidung treffen“, so Bürgermeister Hubertus Mühling. Dadurch entspann sich eine Diskussion, in der Lorenz Schnadt (UWG) auch hinterfragte, warum es überhaupt zu dem Schaden kommen konnte. Nach seinen Informationen sei dies dadurch verursacht worden, dass ein Feuerwehrmann mit Motorsäge im Korb war, der gar nicht die nötige Qualifikation gehabt habe. „Dieses individuelle Verschulden dürfen jetzt die Steuerzahler bezahlen!“ Besonders ärgerlich erachtete er, dass der Eigentümer bereits auf der Anfahrt war und daher die Feuerwehr gar keine Zuständigkeit gehabt habe. Widersprochen wurden seine Informationen nicht.
Schnadt fragte nach, ob dafür nicht die Versicherung aufkomme. Dieses wurde bejaht, da aber der Schaden nach Angebot rund 39.000 Euro betrage, wird die Versicherung, so war die Auskunft, nur den Zeitwert des Fahrzeuges zahlen.
Matthias Jedowski (CDU) meinte dazu, es gehe nicht darum, die Schuldfrage zu diskutieren, sondern darum, dass die Feuerwehr weiterhin arbeiten kann. Dem stimmte auch Cay Schmidt (SPD) zu. Die Feuerwehr müsse eine Leiter haben, um im Notfall Leben zu retten. Jörg Roland (CDU) wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es sich um ein vorgezogenes Invest handeln würde, denn in spätestens zwei Jahren wäre sowieso eine neue Leiter fällig.
Letztendlich war am Ende kein Ratsmitglied gegen die Beschaffung der neuen Leiter, lediglich zwei Mitglieder der CDU-Fraktion enthielten sich. Somit dürfte die „neue“ gebrauchte Rosenbauer DLK 23-12, die einen Korb für fünf Personen vorweist und damit 500 kg Last tragen kann – die alte Leiter konnte nur 150 kg tragen –, in den nächsten Tagen in Balve eintreffen. Einsatzfähig ist sie dann aber noch nicht, denn das Drehleiterpersonal muss erst eingewiesen und mit der neuen Technik vertraut gemacht werden. Vorteil ist, dass es sich um eine DIN-Leiter der neuesten Generation handelt, 32 Meter lang ist und die nächsten Jahre keine kostenpflichtigen Prüfungen anstehen. kr





