Wenige Stunden nach der letzten Musik in der Höhle zeigen sich Vorstand sowie das Königspaar zufrieden mit dem Festverlauf. Foto: Roland Krahl
Balve/Helle. Die Notrufnummer 112 ist für den auch als Notarzt tätigen Dr. Paul Stüeken keine ungewöhnliche Zahl. Vielleicht war das auch das gute Omen, das ihn in diesem Jahr die Schützenwürde einbrachte. Es gelang ihm eben mit dieser bedeutsamen Zahl an Schüssen – 112.
Seitdem sein Vater Paul im Jahr 1992 die Königswürde in Balve errang, war für den damaligen Jungen klar: „Das musst Du auch mal werden – irgendwann!“ Seit Jahren stand er immer wieder unter der Vogelstange und versuchte, den Königsschuss anzubringen, bis es ihm in diesem Jahr endlich gelang. Da war die Freude groß.
Und die Familie zitterte in seinem Rücken mit. „Wir waren ganz aufgeregt“, erzählten die drei Kinder und das war ihre Mutter auch. Sie wusste natürlich von dem Wunsch ihres Mannes und so stand sie besonders unter Spannung. Doch ausgerechnet den Königsschuss erlebte sie nicht mit. Da war sie gerade mal nicht an der Vogelstange.
Dafür erlebten den Königsschuss zahlreiche Menschen beim Live-Stream mit und einer der ersten Gratulanten war der gebürtige Balver Dr. Tobias Schulte, der in seiner Live-Sprechstunde in Bochum den Jubel mitbekam. Auch sonst überschütteten Gratulationen den Mediziner, sicherlich auch eine Folge des erstmals angebotenen Live-Streams vom Balver Vogelschießen.
Ein sehr zufriedenes Königspaar mit ihren sehr zufriedenen Kindern präsentierte sich also beim „Aufräumen“ in der Höhle. Sie alle hatten einen aufregenden Tag hinter sich, an dem die 1. Kompanie um Lukas Rapp noch für eine Überraschung gesorgt hatte. Sie hatten für die Königskinder ein riesiges Stofftier besorgt. Die Kinder waren begeistert.
Das waren der Vorsitzende der St.-Sebastian-Bruderschaft, Christoph Rapp, und Geschäftsführer Thomas Scholz auch. Es sei wieder ein tolles Fest gewesen, am Samstag um 21.45 Uhr habe man die Kasse geschlossen, dann sei das genehmigte Fassungsvermögen von rund 2900 Personen erreicht gewesen, so Thomas Scholz.
Man könne immer mehr feststellen, das samstags sehr viele Fremdgäste da wären. Dafür seien der Sonntag und Montag mehr geprägt gewesen von den Einheimischen. Besonders die Festzugseinzüge in die Höhle seien an allen Tagen aber bombastisch gewesen mit vielen Zuschauern. „Wir haben nur positive Rückmeldungen bekommen“, so der Geschäftsführer. Die Essensmeile auf dem Platz sei sehr gut angekommen und die Schausteller waren am Ende auch sehr zufrieden. „Ein rundherum gelungenes Fest“, betonten die Vorstandsmitglieder.
Zum Getränkekonsum könne man allerdings noch keine Zahlen nennen, doch: „Es scheint der Trend zu sein, dass viele Besucher da waren, aber trotzdem der Getränkeumsatz leicht zurückgegangen sein könnte“, so der Geschäftsführer. Das sei in diesem Jahr auch wohl der offizielle Trend bei den stattgefundenen Schützenfesten im Sauerland gewesen. „Für uns zählt nicht nur der Bierumsatz, sondern das ganze drumherum. Und da gab es keine Vorkommnisse.“
Das hätte auch der Sicherheitsdienst vermelden können. In der Höhle hätte es keinerlei negative Vorfälle gegeben. „Dank sagen wir aber auch dem Malteser-Hilfsdienst und der Feuerwehr“, betonte der Vorstand. Denn auch sie hätten für die Sicherheit der Schützenfestbesucher beigetragen.
Zufrieden zeigte sich ebenfalls Maximilian Fritz. Seine Premiere als Oberst kann man durchaus als gelungen bezeichnen. Zweimal sei zwar das Pferd etwas nervös gewesen, doch das habe man schnell in den Griff bekommen. „Ansonsten gab es keine Vorkommnisse!“
So kann es also weitergehen und das nächste Kreisschützenfest in unmittelbarer Nachbarschaft steht im September an. Dann können sich Dr. Paul und Ramona Stüeken in Küntrop, Affeln und Neuenrade präsentieren. Ob er da auch auf den Vogel schießen wird, ließ der Balver König noch offen. Jubelnde Menschen am Straßenrand wird er aber genügend erleben, denn schließlich ist es für die Königin Ramona ein Heimspiel. Sie stammt aus Altenaffeln.
Dass der Balver Mediziner aber auch an seinem Wohnort Schwitten beliebt ist, bewiesen die Nachbarn und Freunde am Montagabend, als eine Abordnung in der Höhle eintraf. Und als das Königspaar nach ausgiebigem Feiern mitten in der Nacht nach Hause kam, war das Haus von den Nachbarn geschmückt worden.
Trotzdem, nach den Aufregungen eines langen Tages, war für Dr. Paul Stüeken klar, dass er am Nachmittag wieder in der Praxis stehen würde. „Man kann auch feiern mit wenig Alkohol“, zeigte er sich fit. „Du bist der erste König, den ich erlebe, der nach seinem Königsschuss am Montag einen Tag später wieder arbeiten geht“, zog Thomas Scholz verblüfft und voller Hochachtung den Schützenhut. kr



