Ist vielen Menschen im Märkischen Kreis nicht bekannt: Nicht das Trinken von kontaminiertem Wasser ist gefährlich, sondern das Einatmen von mit Legionellen belasteten feinen Wassertröpfchen führt zu gefährlichen Infektionen in den Atemwegen und in der Lunge. Foto: AOK/Colourbox/hfr.
Märkischer Kreis. Wer längere Zeit nicht zu Hause war, sollte besonders wachsam sein: In leerstehenden Wohnungen und Büros im Märkischen Kreis können warme Temperaturen und stehendes Restwasser ideale Bedingungen für Legionellen schaffen. Deshalb gilt: „Wer jetzt aus dem Urlaub kommt, sollte alle Wasserleitungen vor der ersten Nutzung einige Minuten heiß und kalt durchspülen. So wird stehendes Wasser aus den Leitungen entfernt und das Risiko einer Infektion reduziert. Während des Spülens möglichst den Raum verlassen oder gut lüften, um das Einatmen möglicher Aerosole zu vermeiden“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Dirk Schneider.
Im Sommer steigen nicht nur die Temperaturen. In den warmen Monaten des Jahres wächst auch die Infektionsgefahr mit Legionellen. Denn: die Bakterien gedeihen besonders gut in warmem Wasser von 25 bis 45 Grad. Bei Temperaturen ab etwa 55 Grad wird ihre Vermehrung deutlich gehemmt. Ab etwa 60 Grad sterben Legionellen zunehmend ab. „Genau deswegen sollten Verbraucher, die Energiekosten besonders während ihrer Urlaubszeit sparen wollen, nicht ihre Hauswassertemperatur drosseln. Denn die Bakterien gelangen durch das Einatmen feinster Wassertröpfchen in die Lunge, zum Beispiel beim Duschen“, sagt AOK-Medizinerin Dr. Katja Schwarzenhölzer.
Gefährdet sind vor allem Menschen mit einer schwachen Immunabwehr, bestimmten chronischen Krankheiten sowie ältere Menschen. Reisen gelten als ein bekannter Risikofaktor für Legionelleninfektionen. Die Bakterien übertragen sich nicht von Mensch zu Mensch, Betroffene sind also nicht ansteckend.
Eine Infektion mit Legionellen kann unterschiedliche Erkrankungen auslösen. Die Legionärskrankheit mit Pneumonie ist eine Form der Lungenentzündung und entwickelt sich typischerweise sehr rasch mit Brust- und Kopfschmerzen, Husten, Schüttelfrost und hohem Fieber von mehr als 40 Grad. Dabei kann es zu schweren Verwirrtheitszuständen kommen. Gelegentlich treten Bauchschmerzen mit Durchfall und Erbrechen auf. Die Lungenentzündung verläuft häufig schwer und dauert rund vier Wochen. Bei etwa jedem zehnten Betroffenen verläuft sie tödlich.
Das Pontiac-Fieber ist eine milde Verlaufsform der Legionelleninfektion, die ohne Lungenentzündung einhergeht. Es beginnt mit Beschwerden wie bei einer Grippe: Fieber, Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen, auch Brustschmerzen und Husten sind möglich. In der Regel heilt die Erkrankung von selbst innerhalb von zwei bis fünf Tagen aus. Spätfolgen und Todesfälle sind bisher nicht bekannt.
„Der beste Schutz gegen eine unerwünschte Vermehrung von Legionellen ist eine ganzjährig ausreichend hohe Wassertemperatur des Trinkwassers. Bei einem Haus mit zentraler Wassererwärmung und zentralem Warmwasser-Speicher sollte die Regler-Temperatur am Trinkwasser-Erwärmer auf mindestens 60 Grad Celsius eingestellt sein. Bei Wassertemperaturen oberhalb von 55 Grad Celsius wird das Legionellenwachstum wirksam gehemmt, oberhalb von 60 Grad Celsius sterben die Keime ab“, empfiehlt Schneider. Legionellen können auch in kaltem Wasser vorkommen, vermehren sich bei weniger als 20 Grad Celsius jedoch nicht nennenswert.



