Pause unter dem Mammutbaum. Schon bald wird er genügend Schatten spenden.

Balve/Messidan. Stephan Koch, der in Ghana lebt, hat dort ein Waldprojekt angestoßen und betreut dies auch. Es soll ein „Balver Wald“ entstehen. Hier ist sein aktueller Bericht zu dem Projekt, das auch von vielen Balverinnen und Balvern unterstützt wird.
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Die Arbeit im Wald ist nicht immer so entspannt, wie es hier auf dem Foto aussieht. Ich liege gerade im Schatten „unterm“ Mammutbaum und schaue ihm beim Wachsen zu. Es ist interessant zu überlegen, dass ich augenblicklich so auf ihn herunterschauen kann, wie er in vielleicht zwanzig dreißig Jahren auf mich herunterschauen wird, wenn …
Wir haben insgesamt drei dieser Riesen. Der, vor dem ich liege ist ein Pärchen. Sie wurden ganz nah beieinander gepflanzt. Ich hoffe, dass ich sie so weiter wachsen lassen kann. – Weiß da vielleicht jemand Bescheid? – Wie eng kann man Bäume zusammenstehen lassen? Sie sind am Boden ganz eng umschlungen. Der einheimische Name ist übrigens Onyinaa, wenn ich das richtig verstanden habe.
Auch wenn ich nicht immer so entspannt im Wald liege, ist es doch eine ganz entspannende und spannende Tätigkeit, selbst wenn ich im Marathon alle Bäumchen gießen muss. In der Trockenzeit jeden Tag oder jeden zweiten?
Wir haben im Außenbereich zum Gemüsegarten noch einmal reichlich Kakaobäumchen gepflanzt, sodass ich jetzt auf ca. 600 Zöglinge komme. Wenn ich mich nur eine Minute um jeden kümmere, sind das 600 Minuten! Ich brauche locker viereinhalb Stunden, um mit meiner Gießkanne einmal da durchzugehen. Um die Arbeit zu beschleunigen, habe ich Gießringe um jedes Bäumchen gelegt. Die lasse ich dann schnell voll laufen und eile von einem zum nächsten. So kann ich sicherstellen, dass das Wasser auch wirklich dort ankommt, wo es hin soll.
So um November, Dezember beginnt die lange Trockenzeit, mindestens vier Monate. Wen ich da durchbringe, der hat’s geschafft. Und dann kann auch ich mir wieder etwas die Ruhe antun.
Ich bin beim Gießen und Unkraut jäten übrigens nicht allein im Garten, ich habe meistens zwei dieser kleinen Gehilfen dabei.

In einigen Jahren soll eine Allee zum Balver Wald führen. Die Bäume, hier mit Fraßschutz umzäunt wurden gesetzt und werden in der Trockenzeit mit Wasser versorgt.

„Goody“ steht hier vor zwei Bäumchen mit Gießringen. Ein Oframo, wenn ich nicht irre, und ein Kakaobaum. Ich habe noch je zwei Buschbohnen zu vielen Bäumchen gesetzt. Die Bohnen sollen über die Wurzeln Stickstoff an den Kakao weitergeben und sollen ihm Schatten spenden. Der Kakao wächst am besten unter großen Bäumen, mag die pralle Sonne nicht so sehr. Überdies fressen kleine, wunderschön dunkelblau schillernde Käfer lieber die Bohnenblätter, als die Kakaoblätter. – Hab ich den Eindruck.
Mit dem Agro-Wald wollen wir etwas gegen die auch hier zunehmende Trockenheit tun – Schatten kreieren, Wasser sammeln, Waldboden erhalten und selbst in trockenen Zeiten frisches Obst und Gemüse ernten und last but not least etwas fürs Weltklima tun, wir haben schließlich alle nur einen Himmel!
Und wir haben eine weitere Projektphase begonnen. Vor der Mauer, zur Straße hin, wollen wir eine Allee pflanzen. Zugegeben, es kann keine Wocklumer Allee werden, aber diese kann den Weg zum „Balver Wald“ weisen und soll andere Leute aus Mesidan motivieren unserem Beispiel zu folgen.
Der Fraßschutz soll sie vor Ziegen, Schafen und Kühen schützen. Wenn unsere „Royal Palm“ mit dieser Hilfe und meinem fürsorglichen Gießen die kommende Trockenzeit gut überlebt, hoffen wir mehr Bäume im Dorf pflanzen zu können. – Die Bäume wird es auch weiterhin gratis von der Stadt geben und diesen Fraßschutz können wir unter Umständen auch für zwei, drei Jahre ausleihen und dann an den nächsten Pflanzer weitergeben. Deswegen, mal sehen, wie er sich hält.
Ein bisschen traurig war ich beim letzten Artikel in der Hönne-Zeitung, als ich vom Ex-Balver las und vom Auswanderer Stephan Koch. Natürlich bleibt man immer ein Balver. Einmal Balver, immer Balver, säu faste ärre Balve.
Und als Auswanderer fühl ich mich auch noch nicht. Ich war schon vorher auf drei Auslandseinsätzen in Afrika – dieser dauert halt etwas länger – und so weit weg ist Ghana ja nicht. Frei nach Marius Müller Westernhagen in seinem Film Theo gegen den Rest der Welt: „Hei Enno, so weit ist das doch gar nich nach Techiman. In meinem Taschenkalender sind das höchstens 5 Zentimeter!“
Im Projekt heißt es jetzt erst mal abwarten, die Karten sind ausgespielt, mal sehen, wie viel zurückkommt.
Ich bedanke mich noch einmal ganz herzlich für Eure Hilfe! Und ich wünsche Euch allen einen schönen Herbst und noch mal einen richtigen Winter. Und ich schicke Euch Weihnachtsfotos vom „Balver Wald“.
Euer Stephan Koch
P.S. ganz herzlich würde ich mich über Grüße, Nachrichten, Anfragen, Ratschläge an meine E-Mail-Adresse st.koch.balve@gmx.de freuen.