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Balve/Langenholthausen. (R.E.) Mit seinem Kollegen aus Plettenberg war der Balver Özkan Güler am Rande des Bergbauwanderweges am Samstagnachmittag gegen 17 Uhr in Langenholthausen auf Pilzsuche, als er durch einen Schuss aufgeschreckt wurde. Zu diesem Zeitpunkt ahnte er noch nicht, dass einer der Jäger eine weitere Kugel abfeuern würde, und zwar nach seiner Meinung in seiner Nähe. „Es ist zwar alles gut gegangen, aber ich habe eine ganze Weile nach dem zweiten Schuss unter Schock gestanden“, schilderte der Hönnestädter unserer Zeitung, wie ihn der außergewöhnliche Waldspaziergang mit Pilzsuche in Angst und Schrecken versetzt hat.

Dabei fing alles so gut an. Mit seinem Kollegen fleißig nach Pfifferlingen suchend hörte Güler plötzlich einen lauten Knall. Er ruft seinen Kollegen aus Plettenberg an, der über einen Waffenschein verfügt, und fragt ihn vorwurfsvoll: „Was soll das?“ Der Kollege hatte aber gar keine Waffe bei sich und somit auch nicht geschossen. Aufgeschreckt durch den Schuss beschließen die beiden leidenschaftlichen Pilzsammler, sich sofort auf den Heimweg zu machen. Nachdem Güler einige Meter durch den dichten Wald in Richtung seines Autos zurückgelegt hatte, knallte es abermals. Diesmal war er sich sicher, dass der Schuss ganz in seiner Nähe abgefeuert worden war.

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Diesen Pfad nutzten die beiden Sammler, um Pfifferlinge ausfindig zumachen.

Wutentbrannt, weil er dachte, es wäre doch sein Begleiter, der durch die Gegend ballert, rief er ihn an und schrie in sein Handy: „Was soll der Scheiß? Was machst Du da eigentlich?“ Plötzlich meldeten sich zwei ihm unbekannte Männer aus dem Ansitz heraus. „Sind Sie verletzt, was tun Sie hier?“, riefen sie ihm zu. Als Güler mit ihnen ins Gespräch kam, stellte sich heraus, dass die jagdberechtigten Herren aus Menden und Hemer ihre Gewehre ausprobierten, und zwar in Richtung der Kirrung. Dass sich in unmittelbarer Nähe derselben ein Pilzsammler aufgehalten hatte, darüber waren sie selbst erschrocken. „Sie haben sich bei mir entschuldigt und gesagt, es sei richtig gewesen, so laut zu schreien. Sie hätten Angst gehabt, mich getroffen zu haben“, erzählt der Balver und fügte hinzu: „Das Ganze hätte auch böse enden können. Denn woher sollten wir als Pilzsammler wissen, dass Jagdausübungsberechtigte zu jederzeit ihre Gewehre auch aus dem Ansitz heraus mit neuer Munition überprüfen können.

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Nach Meinung des Vorsitzenden des Hegerings Balve, Stephan Honert, sind die Jäger zu jeder Tages- und Nachtzeit berechtigt, Kontrollschüsse abzugeben. Allerdings müsse ein natürlicher Kugelfang vorhanden sein. „So wie sich die Situation in Langenholthausen darstellt, ist es unglücklich gelaufen. Pilzsammler müssen aber immer damit rechnen, dass gerade im Bereich der Ansitze geschossen wird.“

„Wenn das so ist, ist es wichtig, allen Menschen, die in unseren Wäldern spazieren gehen zu sagen, dass sie stets auf der Hut sein müssen, wenn sie sich in den Wald begeben, vor allem dann, wenn sie kleine Pfade nutzen, so wie wir beiden, um Pilze zu suchen“, sagt Güler, der vorerst keine Pilze mehr sammeln wird, nachdem die Sammlung am Samstag durch die Jagdgewehrkugeln jäh endete.

Was ist eine Kirrung?
Wikipedia: Als Kirrung, wie jene in L.A., bezeichnet der Jäger nach deutschem Recht einen Platz zum Ausbringen von Getreide, wie zum Beispiel Mais oder anderen nichtfleischlichen Stoffen (auch von Eiern und Käse), die vom Wild als Nahrung gesucht werden. Es ist eine „Lockfütterung“. Den Vorgang selbst nennt man „kirren“ oder „ankirren“. Kirrungen werden entsprechend der zu kirrenden Wildart angelegt: offen ausgelegt, eingegraben oder durch Behälter gesichert, die bei Bewegung Kirrgut abgeben (zum Beispiel „Sauenkreisel“).

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