Balve. Eine häufig genutzte Bezeichnung, wenn es um das Thema Oldtimer geht, ist der Begriff „Garagengold“. Neben echter Sammelleidenschaft wurden Oldtimer auch immer wieder als Geheimtipp Anlageobjekt gehandelt. Über viele Jahrzehnte hinweg konnten sich so häufig Traumrenditen erzielen lassen, gleichzeitig wurde der Markt für Liebhaber verknappt.

Ob das noch heute so ist möchte die HÖNNE-ZEITUNG von Dieter Müer (Foto) wissen. Müer betrieb lange Zeit eine Reparaturwerkstatt in Balve und hat sich weit über die Stadtgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf als Restaurator und Händler in der Oldtimerszene gemacht. Er sieht, dass sich der Markt in den letzten 25 Jahren stark verändert hat.

Während das Hochpreissegment jenseits der 100.000 Euro noch immer laufe, seien die Marktpreise gerade im günstigeren Bereich rückläufig. Vor allem in den letzten vier Jahren kämen immer mehr angefangene Restaurationen auf den Markt. Als Grund macht Müer hier die allgemein schlechtere Wirtschaftssituation aus.

„Der kleine Mann hat immer weniger Kohle“, aber auch das Interesse habe sich verschoben. An Opas Oldie hätten Erben oft kein Interesse, weil sie mit dem Wagen nichts verbinden, also landen diese Fahrzeuge auf dem Markt. Während für ihn sein 34 Jahre alter Passat ein ganz normales Auto sei, stünden hingegen viele Jüngere oft staunend drumherum, wenn er irgendwo parke. Sie kennen das Fahrzeug noch aus ihrer Jugend, vielleicht hat der Vater sie damals immer damit zur Schule gebracht.

Dieter Müer weiß, dass Oldtimerfans meistens einen persönlichen Bezug zu den Objekten ihrer Sammelleidenschaft hätten. Entweder im Elternhaus gab es so ein Fahrzeug oder es war vielleicht das erste eigene KFZ. Nun hatten die Mittvierziger von heute, die sich einen Oldtimer kaufen aber keinen 1955er Ford 15M als Erstlingsauto, sondern eben einen Golf 2 oder Golf 3. Dies seien die Oldtimer oder eben Youngtimer von heute.

Häufig sähe man daher heute Fahrzeuge, die lange gänzlich vom Markt verschwunden waren. Die nämlich, die so alt sind, dass ihre Neubesitzer mit ihnen nichts verbinden. Die Zeit der hohen Renditen sei daher lange vorbei.

„Ich wüsste kaum ein Fahrzeug, was noch ins Geld reinwächst.“ Klar gäbe es da noch den sprichwörtlichen 300 SL, aber die „kleineren Autos“ verlieren eher an Wert. Ein VW Bus T1 sei bis vor kurzem beispielsweise kaum leistbar gewesen. Hier wurden Preise bis 150.000 Euro aufgerufen.

Heute bekomme man so ein Auto teilweise bereits für 75.000 Euro. Allerdings gingen die aufgerufenen Preise auch stark auseinander, bei gleichen Modellen, in gleichem Zustand. Oftmals werde der Wunscherlös dann nicht mal erzielt.

Die Marktfülle illustriert Dieter Müer an seiner großen Leidenschaft, dem VW Käfer. Das Modell wurde von 1938 bis 2003 nahezu unverändert gebaut, entsprechend viele Fahrzeuge wurden hergestellt. Bis vor eineinhalb Jahren habe es auf dem Markt stabil 500 Fahrzeuge im Angebot gegeben.

Regelmäßige Oldtimertreffen bei Herbrügger in Menden
Vor einem Jahr waren es dann plötzlich 750, vor einem halben Jahr dann 1200 und aktuell etwa 1300 Angebote. Habe man für einen Lloyd vor fünf Jahren noch 7000 Euro bezahlt, bekomme man ihn heute bereits für 4500. Der Markt steht also stark unter Druck.

Dies habe auch Auswirkung auf die Zusammensetzung der Besitzergruppe. Back to the Roots, könnte man sagen. Die Menschen, die sich heute einen Oldtimer zulegten, täten dies wieder aus echter Leidenschaft. Hier werden auch regelmäßig Treffen organisiert, wie beispielsweise monatlich am zweiten Sonntag in Menden bei Herbrügger. Dann gäbe es aber auch noch die „besonderen“ Treffen, erklärt Müer.

„Ohne Porsche oder Mercedes lassen sie dich da nicht aufs Gelände“, witzelt der sympathische Balver. Es zeige sich also eine gewisse Spaltung in der Szene. „Die Reichen werden immer Reicher“, das zeige sich auch am Oldtimermarkt, erklärt der KfZ.-Restaurator. Ein gutes scheint diese Marktbereinigung allerdings zu haben. Wer heute einen Oldtimer suche, für den sein Herz schlägt, hat auch echte Chancen, ein solches Fahrzeug zu einem angemessenen Preis zu erstehen.

Ein wichtiger Aspekt sei auch das sogenannte H-Kennzeichen. Dies kann man beim Straßenverkehrsamt ab 30 Jahren Fahrzeugalter beantragen und spart so Steuern. Mit einem H-Kennzeichen darf man vor allem in alle Gebiete rein fahren, unabhängig welche Abgasnorm das Auto hat. So kommt es, dass in den Städten mancher Opel-Kadett-E herumfährt, der das H-Kennzeichen nur trägt, damit sein Besitzer damit Alltagsfahrten erledigen kann.

Dies hat allerdings mit Liebhaberei nicht viel gemein. „Als Auto für jeden Tag ist so ein Oldie nicht gedacht.“
Wenn Dieter Müer von „seinen“ Oldtimern spricht, hat er ein klares Bild vor Augen. Diese Vorstellung scheint sich in der nachkommenden Generationen von Sammlern zu wandeln. Wer weiß, vielleicht werden ja in ein paar Jahren die Autos der „Generation Golf“ Traumrenditen erzielen!?