So funktioniert AML: Sobald ein Notruf über die 112 abgesetzt wird, aktiviert das Smartphone automatisch sowohl GPS als auch WLAN und übermittelt die ermittelten Standortdaten an die Kreisleitstelle in Altena-Rosmart. Symbolfoto: Raffi Derian / Märkischer Kreis
Märkischer Kreis. (pmk) Ein Spaziergang im Wald, frische Luft, Ruhe: Für viele Menschen ein willkommener Ausgleich zum Alltag. Doch was, wenn genau dort plötzlich etwas passiert? Wenn man stürzt, sich verletzt und nicht genau sagen kann, wo man ist? Genau für solche Fälle ist die Kreisleitstelle des Märkischen Kreises vorbereitet und wird von moderner Technik unterstützt.
Im Februar dieses Jahres wurde ein solcher Ausflug in Altena zum Ernstfall: Eine Person stürzte im unwegsamen Gelände im Wald und konnte ihren Standort nicht mehr benennen. Der Notruf über die 112 wurde abgesetzt – doch ohne präzise Ortsangabe wird selbst ein routinierter Einsatz schnell zur Herausforderung.
In diesem Fall kommt ein System zum Einsatz, das für viele Bürgerinnen und Bürger im Märkischen Kreis im Hintergrund arbeitet: die sogenannte Advanced Mobile Location (AML). Sobald ein Notruf über die 112 abgesetzt wird, aktiviert das Smartphone automatisch sowohl GPS als auch WLAN und übermittelt die ermittelten Standortdaten an die Kreisleitstelle in Altena-Rosmart. „Für uns bedeutet das vor allem einen enormen Zeitgewinn“, berichtet Stephan Volkmann, Leiter der Kreisleitstelle des Märkischen Kreises. „Gerade wenn Menschen nicht wissen, wo sie sich befinden, können wir dank AML schnell reagieren und gezielt Hilfe schicken.“ Die Genauigkeit liegt dabei bei etwa 30 Metern – ein entscheidender Vorteil, insbesondere in einem unübersichtlichen Gelände wie einem Wald. In der Praxis können so mehrere Minuten eingespart werden.
Aktuell werden in rund 85 Prozent der Notrufe aus dem Mobilfunknetz verwertbare AML-Daten übermittelt. Die Technik ist sowohl bei Android- als auch bei IOS-Geräten integriert. Eine zusätzliche App ist nicht erforderlich.
Allerdings gibt es Einschränkungen: Die automatische Standortübermittlung funktioniert nur, wenn sich das Smartphone im eigenen Mobilfunknetz befindet. Ist das nicht verfügbar und der Notruf wird über ein Fremdnetz abgesetzt, können zwar Gespräche geführt werden, Standortdaten und Telefonnummer werden jedoch nicht automatisch übertragen.
Szenarien im Notfall
• Gerade im Wald können unterschiedliche Situationen auftreten.
Eigenes Mobilfunknetz vorhanden: Im Idealfall hat man mit seinem Smartphone eine Verbindung zum eigenen Mobilfunknetz. Die Person wählt die 112, kann sprechen und die Leitstelle erhält automatisch die genauen Standortdaten.
Nur Fremdnetz verfügbar: Ein Notruf ist möglich, aber ohne automatische Ortung. In diesem Fall ist es hilfreich, den eigenen Standort selbst bestimmen zu können – etwa über Offline-Karten in Karten-Apps oder mit Hilfe einer Kompass-App. Besonders interessant ist die App „what3words“. Sie ist kostenfrei verfügbar, funktioniert auch offline und bietet anhand von drei Worten eine Ortungsgenauigkeit auf einer Fläche von neun Quadratmetern.
Kein Mobilfunknetz verfügbar: Selbst dann gibt es inzwischen Möglichkeiten. Neuere Smartphones, wie iPhones (ab Modell 14) oder aktuelle Google-Pixel-Geräte können über Satellitenverbindungen Notfallmeldungen absetzen und Standortdaten übermitteln. Ein direktes Gespräch ist zwar nicht möglich, doch die wichtigsten Informationen erreichen trotzdem die Kreisleitstelle und die Rettungskette.
• Vorbereitung wichtig
Bei dem Notruf in Altena ging alles gut. Die verletzte Person im Wald befand sich innerhalb des eigenen Mobilfunknetzes, wurde gefunden und leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Die Kreisleitstelle des Märkischen Kreises empfiehlt, sich vor Ausflügen in die Natur mit einfachen Maßnahmen vorzubereiten. Dazu gehört beispielsweise das Herunterladen von Offline-Karten oder einer Kompass-App sowie ein kurzer Blick auf vorhandene Rettungspunkte entlang einer Strecke. Auch technische Lösungen wie die Notruf-App „nora“ oder Smartwatches mit automatischer Sturzerkennung können sehr gute Alternativen sein und Sicherheit bieten.






