Balve. (R.E.) Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Das wusste der damalige Kreml-Chef Michail Gorbatschow schon im Jahr 1989. Am Sonntag machte diese Erfahrung ein Balver, der um 10.30 Uhr das Hochamt in der St.-Blasius-Kirche besuchen wollte. Er wurde jedoch nicht mehr hineingelassen. Aber nicht, weil die 70 zur Verfügung stehenden Plätze bereits alle belegt waren, er war einfach nur drei Minuten zu spät zur Hl. Messe gekommen.

Wie bereits am vorigen Sonntag standen abermals vor dem Kircheneingang Kontrolleure. Diesmal waren es die drei Schützenbrüder von der Schützenbruderschaft St. Sebastian Balve, nämlich Vorsitzender Christoph Rapp, Kompanie-Chef Ralf Schlotmann und Adjutant Lutz Errulat. Sie hielten von jedem Kirchenbesucher die persönlichen Daten fest, um eine möglich Infektionskette zurück verfolgen zu können. Fernerhin sorgten sie dafür, dass jedermann seine Hände mit einem Desinfektionsmittel reinigte.

Nachdem 41 Gläubige in der Kirche waren, stürmte die Küsterin aus der Sakristei und forderte angeblich auf Anweisung von Pfarrer Andreas Schulte die Kontrolleure auf, die Kirchentür sofort zu schließen, obwohl die Glocken noch läuteten. Das taten die Schützenbrüder allerdings nicht, sie warteten mit der Schließung bis die Hl. Messe begann. Als nur zwei Minuten später ein Balver in den Gottesdienst wollte, blieb für ihn die Eingangstür verschlossen.

Da er aber unbedingt die Hl. Messe mitfeiern wollte, und zwar nicht per Livestream zu Hause, sondern im Balver Dom, kam er auf den tollkühnen Gedanken, schnurstracks in die Sakristei zu marschieren. Sein Aufenthalt war jedoch von kurzer Dauer. Die Küsterin muss ihm wohl unmissverständlich deutlich gemacht haben, dass er ohne Registrierung durch die Kontrolleure nicht am Gottesdienst teilnehmen darf. Noch einmal auf die St.-Blasius-Kirche blickend setzte er sich in sein Auto und fuhr davon. Die Quintessenz: Wer zu spät kommt, den bestraft nicht immer nur das Leben, es kann auch die Katholische Kirchengemeinde Balve sein, die allem Anschein nach völlig vergessen hat, dass bereits über Jahrhunderte Gläubige verspätet in die Kirche gekommen sind.