Kirchenvorstand Helmut Schäfer erklärte, weshalb die Kirche in Gefahr ist. Foto: Henry Esland
Mellen. Die Kirchenlandschaft steht aktuell in einem großen Wandel: Die Zahl der Gläubigen nimmt ab, der Gottesdienst ist für immer weniger Leute Teil des Alltags, und Prognosen zufolge steht ein Wandel dieser Negativtrends in den nächsten Jahren nicht in Aussicht.
Aufgrund dieser Rückgänge in zahlreichen Bereichen, insbesondere den Steuerzahlern, stehen der Kirche mittlerweile weniger finanzielle Mittel zur Verfügung. Deshalb müssen sich nun alle Bistümer in Deutschland überlegen, an welchen Stellen sie einsparen können. Um eine weiterhin stabile Finanzierung der bestehenden kirchlichen Einrichtungen zu ermöglichen, ist das langfristige Ziel des Bistums Paderborn, jeden Pastoralverbund um 20-30 Prozent seiner kirchlichen Gebäude zu schrumpfen.
Viele Mellener fürchten nun um die Zukunft der St.-Barbara-Kirche, weswegen gestern eine Dorfversammlung im Mellener Landmarkt einberufen wurde. In dieser klärten der Kirchenvorstand Helmut Schäfer sowie der Ortsvorsteher Daniel Schulze Tertilt über die Situation auf und präsentierten Optionen für die Zukunft. Rund 40 Leute haben sich zu diesem Anlass versammelt.
Was nicht alle wissen: Die Mellener Kirchengemeinde verfügt über drei Institutionen. Einmal die Kirche selbst, dann das Pfarrheim sowie den Friedhof. Eine gute Nachricht ist, dass die Kirchengemeinde zweifellos plant, den Friedhof weiter zu betreiben. Natürlich, weil ihm eine wichtige Rolle im Dorf zukommt, aber auch aufgrund der Tatsache, dass dieser sich durch Beerdigungen selbst finanzieren kann.
Auch die Kirche soll weiterhin Bestand haben, allerdings muss diese in Zukunft wahrscheinlich mehr Gründe vorweisen können, die dafür anfallenden Kosten zu rechtfertigen. Andere Gemeinden haben bereits Wege gefunden, mehr Besucher in ihre Kirchen zu locken und somit ihren Erhalt zu gewährleisten. Die St.-Josef-Kirche in Fröndenberg bietet beispielsweise die Möglichkeit, Fahrräder mit Luft aufzupumpen oder elektrisch zu laden. Andere Kirchen dienen als Pilgerstätte für Wanderer. Möglicherweise muss auch die Kirche in Mellen in ihrer Funktion erweitert werden, damit eine größere Zielgruppe erreicht werden kann.
Wichtig war es vielen Anwesenden vor allem, dass die Kirche nicht für Zwecke genutzt werden darf, die dem Christentum widersprechen. Der Fokus soll weiterhin auf Glauben und Spiritualität liegen.
Die geringste Priorität hat allerdings das Pfarrheim, dessen dauerhafte Vermietung stark in Erwägung gezogen wird, da es nicht allzu oft genutzt wird und in seiner Funktion auch am ehesten ersetzbar ist.
In einer Abstimmung am Ende der Veranstaltung hat die überwältigende Mehrheit für den Erhalt der Kirche und des Friedhofes gestimmt und sich für eine Vermietung des Pfarrheims ausgesprochen. Nun sind die Mellener dazu aufgefordert, Ideen und Vorschläge zu entwickeln, wie genau die Institutionen künftig genutzt werden. Denn bereits im November soll die nächste Versammlung stattfinden, in der die bis dahin hoffentlich reichlichen Ideen diskutiert werden.
Aktuell ist geplant, die einzelnen Pastoralverbände bis 2030 aufzulösen und in einem zentralen „Seelsorgeraum“ zusammenzufassen, von dem aus die Entscheidungen über alle Gemeinden im Bistum getroffen werden. Wem die Zukunft der Kirche also wichtig ist, der sollte genau jetzt mitbestimmen. In wenigen Jahren wird dies vielleicht nicht mehr möglich sein. HE



