„Die Stimmen der Berge“ singen am 27. Juni in der Balver Höhle. Foto: Veranstalter

Balve/Helle. Thomas Gruber singt bei den „Stimmen der Berge“, die am 27. Juni um 19 Uhr gemeinsam mit dem Männerchor 1874 Balve ein Konzert in der Balver Höhle geben. Die HÖNNE-ZEITUNG spricht mit Gruber darüber.

„Stimmen der Berge” klingt erstmal nicht wie ein klassischer Bandname. Wie sind Sie darauf gekommen?
Der Name ist tatsächlich ganz bewusst gewählt. Entstanden sind die „Stimmen der Berge“ aus der sehr erfolgreichen volkstümlichen Gesangsgruppe „Die Bergkameraden“. Neu aufgestellt, mit breiterem Repertoire von Volksmusik über Schlager bis Klassik und Kirchenmusik wollten wir einen Namen, der unseren Ursprung und unsere Klangvorstellung widerspiegelt. Die Berge stehen für Weite, Klarheit und auch für eine gewisse Erdung – und genau das hört man, wie ich finde, auch in unserer Musik. Damals wurden uns von verschiedenen Medien mit einem Augenzwinkern weitere Attribute verliehen: von „Volksmusik im Bänker­outfit“ bis „Boygroup der Volksmusik“. Die „Boy­group“ sind jetzt gestandene, hochausgebildete Musiker und Sänger und seit Jahren der erfolgreichste Männerchor Deutschlands.

Wie ist die Formation entstanden?
Eben aus der Vorgängergruppe, den „Bergkameraden“. Und unserer Leidenschaft: dem Singen auf hohem Niveau – aber ohne die steifen Grenzen der klassischen Musikszene. Wir kannten uns teilweise bereits aus verschiedenen Projekten, verbunden mit den gemeinsamen musikalischen Wurzeln, und haben schnell gemerkt, dass die Chemie stimmt. Zusammen mit einem professionellen Management und einer engagierten Plattenfirma waren 2014 die Stimmen der Berge geboren.

Erzählen Sie uns ein wenig über den musikalischen Werdegang.
Benjamin, Thomas und Stephan, drei ehemalige Regensburger Domspatzen und ein „schwarzes Schaf“: dem Daniel von den Tölzer Sängerknaben. Jeder der vier Sänger hat nach der herausragenden Ausbildung bei den Knabenchören sein Studium an verschiedenen Ausbildungsstätten und Hochschulen fortgesetzt. Daniel und Stephan mit einem klassischen Studium im Opernfach oder ich – Thomas – mit einem Studium in Jazzpiano und -gesang. Neben den Stimmen der Berge ist jeder von uns als Musiker und Sänger noch in anderen Bereichen und Formationen engagiert. Ich z.B. als Musiklehrer und Chorleiter, die drei anderen als Sänger z.B. beim Chor des Bayerischen Rundfunks und in verschiedensten Chor- und Soloprojekten.
Sie haben alle einen chorischen Hintergrund. Was bedeutet Chormusik und das Chorwesen für Sie persönlich?
Chormusik ist für mich etwas zutiefst Verbindendes. Jeder Einzelne trägt dazu bei, dass ein großes gemeinsames Klangbild entsteht. Man ist gehalten zuzuhören, sich einzufügen, aber auch Verantwortung zu übernehmen. Und ganz ehrlich: Es gibt kaum ein schöneres Gefühl, als wenn ein Akkord perfekt sitzt und der Raum plötzlich „trägt“.

Nun singen Sie zum ersten Mal in der Balver Höhle. Was sind Ihre Erwartungen?
Die Balver Höhle hat ja einen ganz besonderen Ruf – akustisch wie atmosphärisch. Ich erwarte eine beeindruckende Kulisse und ein Publikum, das offen für diese Mischung aus Natur, Raum und Musik ist. Wir freuen uns ungemein auf das Konzert, und ich bin mir sicher: Das wird ein Abend, den wir nicht vergessen werden!

Haben Sie im Vorfeld schonmal etwas von Balve gehört?
Ja, tatsächlich – die Höhle ist ja weit über die Region hinaus bekannt. Und wenn man sich ein bisschen mit besonderen Konzertorten beschäftigt, stolpert man früher oder später darüber. Jetzt endlich selbst dort zu stehen, ist natürlich etwas ganz Besonderes.

Wie ist der Kontakt zum Männerchor 1874 Balve entstanden?
Seit vielen Jahren veranstalten wir mit befreundeten Männerchören in ganz Deutschland gemeinsame Konzerte. Der Kontakt zum Männerchor 1874 Balve – und insbesondere zu Bernhard Krüdewagen, entstand bei einem Konzert im baden-württembergischen Giengen an der Brenz. Bei einem Konzert der Stimmen der Berge mit dem dortigen Männerchor war Bernhard zu Gast – die Männerchorwelt ist manchmal erstaunlich klein. Der Funke zwischen uns war sofort entzündet und schon sitzt man zusammen und schmiedet Pläne. Der Männerchor 1874 Balve hat uns eingeladen, und wir haben sofort gespürt: Das passt menschlich und musikalisch.

Wie würden Sie Ihre Gruppe musikalisch einordnen?
Ein Veranstalter sagte mal: Die Stimmen der Berge passen in keine Schublade – die Stimmen der Berge sind die Schublade. Wir sind bekannt für neu interpretierte Kultschlager und volkstümliche Hits, haben regelmäßig Chart­erfolge mit aktuellen und eigenen Schlagern. Genauso geben wir klassische Kirchenkonzerte und gastieren beispielsweise im süddeutschen Raum in der Adventszeit mit einem ur-bayerischen Werk, der „Heiligen Nacht“ von Ludwig Thoma, auch mit den Regensburger Domspatzen. Gleich was wir machen – wichtig ist uns, dass es authentisch bleibt – keine aufgesetzte Show, sondern ehrlicher Gesang im unverwechselbaren Klang der Stimmen der Berge.

Legendär sind die “After Chor Partys” nach den Konzertveranstaltungen. Werden Sie nach dem Konzert direkt abreisen oder gehen Sie noch ein wenig auf Tuchfühlung mit den Sängern auf ein Kaltgetränk?
Also… sagen wir es so: Wir sind große Freunde der gepflegten Nachbesprechung. Wir bleiben natürlich gerne noch da, tauschen uns aus und stoßen gemeinsam an. Schließlich entstehen die besten Geschichten und Freundschaften oft erst nach dem letzten Ton.

Herr Gruber, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.


Das Interview führte Daniel Pütz per E-Mail.