Neuenrade. 49 Jahre musste ich werden, um den Skisport praktisch kennenzulernen.
Ein guter Freund hatte jahrelang auf mich eingeredet, ich solle doch endlich einmal einen richtigen Sport betreiben. Ich hatte immer Angst vor diesem Sport wegen möglicher Verletzungen, da ich mit Begeisterung dem Handball-, Tischtennis-, Radfahr-, Tennis- und vor allem dem Fußballsport frönte. Irgendwann ließ ich mich aber überreden und sagte zu.
Da ich zu geizig war mir die dementsprechende Skiausrüstung zu kaufen, nur um einmal dabei zu sein, lieh mein Freund mir seine „alte“ komplette Ausrüstung, von den Skiern bis zur Pudelmütze bzw. Helm und ab ging es, zusammen mit etwa 28 Profis in den Skiwinterurlaub.
Ich war der einzige Neuling und wurde auch sofort mit gefühlten hundert Ratschlägen beschlagnahmt.
Trotzdem verbrachte ich die ersten Stunden auf der Piste im Schnee, liegend. Dann sollte ich meine Kratztechnik in Wedeltechnik ändern. Wedeln? Das hatte ich mal von Hunden abgeguckt, was hatte das mit Skifahren zu tun? Ich wusste es bald.
Irgendwann, um einmal als erster unten anzukommen, wollte ich eine Abfahrt abkürzen und verließ die präparierte Piste, ach herrje, ich stand bis zur Hüfte im Schnee.
Als meine neuen Freunde mich „retteten“ bekam ich den Rat, demnächst eine Schaufel mitzunehmen. Oder, als Schussfahren angesagt war, ich natürlich stürzte, und den Rest des Berges auf dem Rücken hinunter rutschte, kam ein anderer neuer Freund aus der Profirunde, brachte mir die verlorenen Skier und erklärte: Das kostet ein Bier. Aber gerne – ach so – für jeden eins.
Ich lernte schnell, verglich mich schon mit berühmten Skiathleten. Sah am Pistenrand mir mit Fahnen und Transparenten zujubelnde Menschenmassen. Ein Skisportwunder war geboren.
Blieb aber immer noch der Neuling. Vielleicht, weil ich mich schon zu berühmt fühlte und leider nicht mehr viel Zeit für Schneeflug und Wedelei übrig hatte, sondern von einer anderen Skifahrerdisziplin sehr angetan war.
Après-Ski mit Obstler und Brotzeit wurden erneute Freunde. Aber als mir einmal beim Après-Ski der Obstler im wahrsten Sinne des Wortes, sehr übel mitspielte und mir seine Freundschaft fürchterlich verweigerte, wechselte ich die Prioritäten schnell wieder zurück zur Bescheidenheit.
Dann aber kam er, der Moment, ich staunte selbst wie schnell das ging. Bei schönstem Sonnenwetter, weiter klarer Sicht über ein wahnsinnig tolles Bergpanorama, vor einer märchenhaft aussehenden Hütte sitzend, zusammen mit einer Gruppe netter Menschen und Superstimmung, wurde ich zum skifahrenden Winterurlauber.





