Sonderteil Ausbildung –
Max Goeke (2. v. r.) wurde bei seiner Abschlussprüfung zum Kammerbesten und 3. Landessieger ausgezeichnet.Fotos: privat
Stadt Balve. An einem bestimmten Punkt im Leben stellt sich jeder mal die Fragen „Was mache ich nach der Schule?“ oder „Welchen Beruf möchte ich erlernen?“. Doch die wenigsten Menschen hinterfragen, wie schwer es eigentlich für einen Betrieb ist, gerade wenn er frisch gegründet wurde, Lehrlinge auszubilden und Azubis erstmals für sich zu gewinnen. Um diese Frage zu beantworten schien Felix Butterweck, Gründer der Wasser- und Brandschadensanierungsfirma WABRA Tec und Geschäftsführer der Firma Elektrotechnik Hönnetal, mit welcher Frederik Daake sich kürzlich selbstständig machte, als ein perfekter Ansprechpartner.
Die Firma WABRA Tec wurde im Jahr 2012 gegründet und der Prozess, bis erstmals ein Bekannter als Auszubildender einsteigen konnten, dauerte sagenhafte 6 Jahre. Zudem konnte vorerst nur der Beruf des Fliegenlegers erlernt werden, da er 2018 noch nicht meisterpflichtig war und somit einen guten Einstieg bot. Auch wenn das vorerst ziemlich vielversprechend schien, musste die Firma sich dennoch 3 Jahre gedulden, denn auch bis zum Jahr 2022 gingen keine Bewerbungen von möglichen Auszubildenden ein.

Max Goeke lernte Fliesenleger.
Doch das Warten und die Geduld haben sich offensichtlich gelohnt – indem die jungen Erwachsenen Praktika im Betrieb absolvieren konnten und die Möglichkeit bekamen Ferienarbeit zu leisten, konnte der Betrieb aus nächster Nähe erkundet und kennengelernt werden. Dieses Konzept entwickelte Felix Butterweck nicht nur, um die interessierten jungen Leute von dem eigenen Betrieb zu überzeugen und ihnen die Arbeit bei WABRA Tec nahezulegen, sondern so sollen die Leute, die auf der Berufssuche sind auch in ihrer Entscheidung bestärkt und vor falschen Erwartungshaltungen bewahrt werden, indem sie die einzelnen Berufe ganz praktisch erkunden können.
Nicht zuletzt, stehen einige spezielle Baustellen der Firma sogar unter der Leitung der Azubis, damit auch diese schon früh lernen Verantwortung zu übernehmen und selbstständig zu arbeiten.
Dank dieses Konzeptes, konnte Max Goeke seine Ausbildung im vergangenen Jahr nicht nur als Kammerbester, sondern sogar als 3. Landessieger absolvieren. Es war also nicht nur hilfreich, um die Hürden der Azubi-Suche zu überwinden, sondern auch die Angestellten profitieren von derartigen Projekten. Heute kann die Firma nicht nur jedes Jahr einen weiteren Auszubildenden zum Fliesenleger einstellen, sondern auch Bewerbungen zum Maler und Lackierer werden gerne entgegengenommen. Der Betrieb vergrößert sich also konstant und die anfänglichen Schwierigkeiten auf der Suche nach Azubis sind allmählich vergessen und überwunden.

Frederik Daake, Gründer der Firma Elektrotechnik Hönnetal, bei der Arbeit, die er den Azubis vermitteln will.
Ähnlich wird es bald hoffentlich auch Frederik Daake ergehen. Im Jahr 2024 machte sich der Beckumer mit der Firma „Elektrotechnik Hönnetal“ selbstständig und auch er macht bemerkenswert große Fortschritte. Bereits ab August 2026 sollen in seinem Hause Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik ausgebildet werden. Doch so wie in jedem anderen frisch gegründeten Betrieb, stehen auch ihm einigen Hürden bevor. Auch wenn er einen engagierten Meisterbetrieb für Elektroinstallation leitet, sind die anfänglichen Schwierigkeiten, interessierte Auszubildende anzuwerben, präsent. Durch Online-Werbekampagnen und mögliche Praktika engagiert sich Frederik Daake, um die Aufmerksamkeit berufssuchender und auch junger Leute. Somit möchte er die Möglichkeit bieten, nicht nur den Beruf des Elektronikers kennenzulernen, sondern auch einen praktischen und umfassenden Einblick in das Unternehmen und das vorhandene Arbeitsklima selbst zu bieten. Doch trotz zahlreicher Engagements bleibt der Meisterbetrieb fleißig auf der Suche.
Anhand des Beispiels der Firma WABRA Tec hat sich herausgestellt, dass Geduld und Bemühungen in jedem Fall essenziell für die Gründung und Vergrößerung eines Betriebes sind. Immerhin wurden auch schon einige Hürden überwunden. Ist ein Elektrofachbetrieb erst einmal als Meisterbetrieb bei der Handwerkskammer gelistet, steht auch der Kooperation mit einer Berufsschule nichts mehr im Weg. Steht ein Geschäftsführer dann auch noch mit den Berufsschullehrern im persönlichen Kontakt, so wie Frederik Daake, ist auch für den theoretischen Teil der Ausbildung eine reibungslose Lehre möglich.
Wann die ersten Azubis aus diesen profitablen Bedingungen ihre Nutzen ziehen können, wird sich in Zukunft zeigen, denn auch wenn vorerst alles „einfach“ oder „positiv“ scheint, müssen die Neulinge unter den Unternehmen viel Geduld und Engagement mitbringen – mal dauert es 3 Jahre, manchmal 6, aber vielleicht auch weniger, bis sich interessierte Auszubildende auf eine angebotene Ausbildung bewerben.
Wichtig sei es, den Mut nicht zu verlieren und dranzubleiben, auch wenn es schwer oder gar hoffnungslos scheint, ist der Tipp der beiden befragten Unternehmen. AM


