Otmar Hermanns, Alexandra Langer und Sabine Biehs-Romann (v. l.) unterstützen das Projekt Gemüsekiste in Balve. Foto: Laura Berken
Balve. Vor neun Jahren hatte der Verein Hönnetal im Wandel in Balve eine Idee, die heute aus dem Stadtleben nicht mehr wegzudenken ist: eine feste Liefervereinbarung mit dem Gärtnerhof Röllingsen. Ziel war es, Bürgerinnen und Bürgern regelmäßig frisches, regional erzeugtes Biogemüse zugänglich zu machen – mit kurzen Wegen und transparenten Strukturen.
Was am 5. September 2017 mit den ersten ausgelieferten Kisten begann, ist inzwischen ein Erfolgsmodell. Heute beziehen rund 60 Haushalte in Balve ihre Gemüsekiste im Abonnement.
Gerade in einer ländlichen Stadt wie Balve bildet die Gemüsekiste ein starkes Zeichen für regionale Verantwortung. Da es keinen, nach Demeter-Richtlinien wirtschaftenden Hof in Balve gibt, bietet das Projekt eine wertvolle Alternative.
Der Verein Hönnetal im Wandel verfolgt das Ziel, nachhaltige Lebensweisen umzusetzen – durch regionale Vernetzung, kurze Lieferwege und gemeinschaftliches Engagement statt anonymer Massenversorgung. Die Gemüsekiste ist damit weit mehr als ein Lebensmittelangebot: Sie fördert lokale Wertschätzung, verkürzt Transportwege und stärkt den Zusammenhalt in Balve. Genau darin liegt ihr Mehrwert für die Region.
Die wöchentliche oder vierzehntägige Lieferung erfolgt dienstags zur Abholstelle an der Gransauer Mühle in Balve. Wer am Dienstag verhindert ist, kann seine Kiste noch am Mittwochmorgen abholen. Jede Kiste ist namentlich gekennzeichnet, Verwechslungen sind ausgeschlossen.
Vom Acker direkt ins Hönnetal
Viele Kundinnen und Kunden packen ihr Gemüse direkt in mitgebrachte Körbe um und lassen die leere Kiste zurück – ein einfacher, aber wirkungsvoller Kreislauf, der Nachhaltigkeit praktisch erlebbar macht.
Mitgründer Otmar Hermanns erinnert sich noch gut an die Anfänge: „Am 5. September 2017 wurden die ersten Kisten geliefert.“ Fast zeitgleich entstand in Balve auch ein ReparaturCafé – zwei Projekte, die zeigen, wie stark das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und gemeinschaftliches Handeln im Hönnetal gewachsen ist.
Auch Mitinitiatorin Sabine Biehs-Romann ist überzeugt vom Konzept. Für sie bietet die Gemüsekiste nicht nur frische Lebensmittel, sondern auch kulinarische Inspiration: „Mit dem Gemüse kann man immer wieder neue Rezepte ausprobieren, die man so noch nicht kennt.“
Seit Juli 2019 führen die Familien Fraune-Tillmanns und Himstedt gemeinsam den biologisch-dynamisch wirtschaftenden Gärtnerhof Röllingsen. Der Hof liegt in der Ortschaft Röllingsen am südlichen Rand der Soester Börde und verfolgt ein ganzheitliches Betriebskonzept.
Als biologisch-dynamischer Betrieb setzt der Hof auf einen möglichst geschlossenen Kreislauf: Futter und Dünger entstehen größtenteils im eigenen Betrieb, Jungpflanzen werden in selbst hergestellter Anzuchterde herangezogen. Zudem engagiert sich der Hof in der Saatgutvermehrung und arbeitet mit Organisationen wie der Bingenheimer Saatgut AG und Kultursaat e. V. zusammen, um samenfeste Gemüsesorten zu erhalten.
Regelmäßige Hofbegehungen, Seminare zur ökologischen Bewirtschaftung und kulturelle Veranstaltungen öffnen den Betrieb für Interessierte und stärken die Verbindung zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern.
Saisonale Vielfalt in der Kiste
Die Gemüsekisten spiegeln den Jahreslauf wider:
Sommer und Herbst bringen frisches Freilandgemüse wie Salate, Möhren, Broccoli, Kohlrabi, Blumenkohl, Fenchel, Spitzkohl, Rote Bete, Zucchini, Bohnen und Kürbis. Aus dem Gewächshaus kommen Tomaten, Paprika, Gurken und Auberginen hinzu.
Im Winter dominieren Winter- und Lagergemüse wie Porree, Wirsing, Grünkohl, Weißkohl, Rotkohl, Sellerie, Pastinaken sowie Feldsalat und Chicorée aus dem Gewächshaus.
Im Frühling treffen die letzten Lagergemüse auf frische Salate, Rucola, Baby Leaf, Kräuter, Radieschen und erste Kohlrabi.
Drei Kistenmodelle – vier Größen
Kundinnen und Kunden können zwischen drei Varianten wählen.
Gärtnerhof-Kiste: Saisonales Gemüse, zusammengestellt vom Hof – abgestimmt auf Fruchtfolgen und Ernteverteilung.
Schonkost-Kiste: Ohne blähende oder treibende Gemüsearten, geeignet für stillende Mütter oder Kleinkinder.
Wahl-Kiste: Individuelle Auswahl nach persönlicher Gemüseliste (gegen einen kleinen Aufpreis).Alle Kisten sind in vier Größen erhältlich: 16 Euro (2 Personen), 22 Euro (3–4 Personen), 28 Euro (4–5 Personen) und 33 Euro (ab 5 Personen).
Die Gemüsekiste ist mehr als ein Liefermodell. Sie steht für eine Entwicklung im Hönnetal, in der Regionalität, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen. Besonders entlang der Hönnetalstraße wird sichtbar, wie sehr sich das Bewusstsein für lokale Kreisläufe und kurze Transportwege gewandelt hat.
Nachhaltigkeit in Balve voranbringen
Der Verein ist Vermittler und möchte die Ideale der Nachhaltigkeit in Balve voranbringen. Ziel der erneuten Werbeaktion ist es, erneut auf das Projekt aufmerksam zu machen. Der Verein koordiniert das Projekt, steht zu 100% hinter der Idee und stellt den Raum zur Umsetzung.
Was vor neun Jahren als „wirklich gute Idee“ begann, ist heute ein fester Bestandteil des Alltags vieler Balver Haushalte – und ein Beispiel dafür, wie bürgerschaftliches Engagement und ökologische Landwirtschaft gemeinsam nachhaltige Strukturen schaffen können.
Weitere Infos und Anmeldung unter https://www.gaertnerhof-roellingsen.de/gemuese-im-abonnement/gemue
seimabo/ oder E-Mail an info@gaertnerhof-roellingsen.de. LB





