Bauleiter Salvador Villalpando und Stefanie Flam haben das Projekt „Windpark Balve“ voll im Griff und stehen den zahlreichen Mitarbeitern stets mit Rat und Tat zur Seite. Fotos: Aleksandra Mösta

Balve. Das Thema des Klimawandels wird zunehmend präsent, die Inflation und weltweite Kriege bedrohen zahlreiche Menschen und zwischen all dem Trubel stellen sich folgende Fragen: Wie lösen wir uns aus der Abhängigkeit anderer? Und wie können wir dabei auch noch Geld sparen? 

Die SL NaturEnergie hat sich ebenfalls diese Fragen gestellt und sind zu dem Entschluss gekommen, dass ein Windpark in Balve ein immenser Schritt in die richtige Richtung wäre. Der Wind ist nämlich nicht nur die günstigste Form der Energieerzeugung, sondern dadurch, dass der Ertrag eines Windparks sich in die öffentlichen Netze einspeist, kann das System auch sehr gewinnbringend sein.

Die Idee für dieses Projekt existiert seit mehreren Jahren und nun wird sie in die Tat umgesetzt: Die erste Anlage ist fertig, zwei weitere folgen im Herbst und sechs weitere sind genehmigt. Das würde bedeuten, dass in Balve bald rund 175 Millionen Kilowattstunden Grünstrom ins Netz fließen werden, welche circa 60.000 Haushalte versorgen und dabei 125.000 Tonnen CO2 einsparen können.

Die erste fertige Anlage ist eine sogenannte Enercon E-160 und verfügt über 78 Meter lange und 25 Tonnen schwere Rotorblätter, sodass der Rotor insgesamt einen Durchmesser von rund 160 Meter aufweist. Um das stemmen zu können, besteht der Hybrid-Turm bis auf eine Höhe von 86 Metern aus Beton. Darauf folgen drei Stahlsektionen, welche jeweils zwischen 22 und 30 Meter lang sind und rund 64 bis 75 Tonnen wiegen. Auch das Fundament muss für solch ein massives Gestell stabil sein. Diese haben bei Windenergieanlagen dieser Art einen Durchmesser von 24 Meter, bestehen aus 750 Kubikmeter Beton und circa 80 Tonnen Stahl. Dementsprechend ist der Aufwand, eine solche Anlage zu bauen, sehr groß. Der bloße Transport des Krans, welcher knapp 200 Meter hoch ist, ist logistisch schon ein immenser Aufwand, welcher gerade bei Temperaturen von 40 Grad nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Die Kranfirma aus Österreich, das Aufbau-Team aus Polen, aber auch die Kollegen aus der Niederlande oder Bulgarien leisten trotz solch einer Hitze enorme Arbeit.

Um auch in Zukunft für Sicherheit zu garantieren und auf Notfälle vorbereitet zu sein, wird aktuell ein 100.000 Liter Fass mit Löschwasser in dem Wald installiert, welches den Einsatzkräften der Feuerwehr im Fall eines Brandes als ein Puffer dient und einem maximalen großen Schaden vorbeugen soll.

Um dieses enorme Projekt umzusetzen, werden insgesamt rund 51.000 Quadratmeter Fläche beansprucht. Sobald die Anlagen aber errichtet sind, wird mehr als die Hälfte der Flächen renaturiert, sodass der Balver Windpark sich auf rund 23.000 Quadratmeter Fläche beschränken wird. Ein weiterer Vorteil für die Natur ist es, dass ausschließlich beschädigte und ökologisch gesehen mangelhafte Wälder verwendet werden. Zwar werden diese Flächen derzeit befahren und genutzt, doch findet die Renaturierung statt. So sollen insgesamt mehr als 67.000 Quadratmeter des Waldes aufbereitet werden, sodass ein hochwertiger Auwald entsteht, statt eines normalen Mischwaldes mit hohem Nadelholzanteil. Davon werden 19.000 Quadratmeter erstmalig aufgeforstet.

Das Team der SL NaturEnergie erklärt: „Diese Maßnahmen sollen die angeschlagenen Wälder zu ökologisch wertvollen Lebensräumen aufwerten und eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel ermöglichen.“ 

Auch die Anwohner und die Stadt sollen vom Windpark profitieren: „Unsere SL NaturEnergie-Stiftung wird auch in Balve aktiv werden. In die Stiftung fließen bis zu 1,5% der jährlichen Erträge eines Projektes. Anschließend wird die Summe an gemeinnützige Vereine am Standort des jeweiligen Projektes ausgeschüttet. Darüber, welche Vereine wie viel bekommen, wird ein Auswahlausschuss aus lokalen Bürgerinnen und Bürgern entscheiden“, erklärt Pressesprecherin Stefanie Flam. Außerdem erhalten die Kommunen in einem Radius von zweieinhalb Kilometer, rund um jede Windenergieanlage, 0,2 Cent für jede erzeugte Kilowattstunde. „Bei Anlagen dieser Größenordnung können das rund 30.000 Euro pro Anlage sein“ , fügt Stefanie Flam hinzu. 

Nicht zuletzt soll es auch eine „regional zugeschnittene Bürgerbeteilung“ geben, wobei die Balver in den zukünftigen Windpark investieren und von einem jährlichen Zinssatz profitieren können. 

Die erste Anlage ist derzeit bereits in Betrieb gegangen, während im Herbst die Anlieferungen für zwei weitere Anlagen erfolgt. Das Projekt „Windpark Balve“ ist also in vollem Gange.  AM