Ein Stück offenes Wohnzimmer konnten die Neuenrader kostenlos mitnehmen. Schließlich mußte alles raus.Fotos: Karsten Sprawe

Neuenrade. Bring und Nimm startete im Juli 2022 im ehemaligen Weltladen. Einige Monate später erlebte das Deutsche Haus nach über sechs Jahren als „offenes Wohnzimmer“ eine Wiederbelebung. Alles mit Unterstützung von Bernhard Peters und der verstorbenen Ruth Orthaus von der Ortsfraktion der FWG.
Nun sind die historischen Häuser verkauft. Was daraus werden soll, ist unbekannt. Nach dem beliebten Tauschladen hat nun auch das Team vom Deutschen Haus den Betrieb eingestellt. Um dem eigentlichen Sinn der Aktion gerecht zu werden, veranstaltete man kurzerhand einen Alles-muss-raus-Trödel. Im Rahmen der Nachhaltigkeit hatten Freunde und Besucher des Hauses die Gelegenheit, sich das eine oder andere Erinnerungsstück mitzunehmen.
Alles selbstverständlich kostenlos, denn Geld hatte vom ersten Tag an Hausverbot. Die letzten Stunden wurden dann auch gerne dafür genutzt sich an die verschiedensten Veranstaltungen zu erinnern. Ob die Elek­trobörse, die Fünf-Pflanzen-Börsen, alles ließen die Besucher nochmal Revue passieren. Nicht zu vergessen sind Geschichten aus dem Gastraum, als er noch seine eigentliche Bestimmung hatte.
Dazu gehört die Story eines angetrunkenen Gastes, der eine Pistole auf die Theke legte, behauptete, sie sei echt. Nach den ungläubigen Blicken anderer Gäste lud er die Waffe durch und feuerte in die Decke.
Aber auch Dönekes aus den besten Tagen der Gaststätte, als dort noch ein nobles Restaurant etabliert war, werden im Gedächtnis bleiben, wie die als ein heute 90-Jähriger in die Räumlichkeiten kam und spontan davon erzählte, wie er 1959 hier seine Hochzeit gefeiert hatte. Selbst die Stelle, an der das Brautpaar saß, konnte er sofort zeigen.
Vermissen werden aber auch viele Neuenrader Kinder mitsamt ihren Eltern das offene Wohnzimmer als den Ort für Halloween. Im vergangenen Jahr haben sich laut einer Schätzung von Bernhard Peters rund 600 Besucher in den dekorierten Räumen freiwillig gegruselt. Und gratis mit Popcorn eingedeckt.
Aber auch Vereinssitzungen, Geburtstage, ein Musikvideodreh und Live-Sessions von Rock im Wohnzimmer haben die alten Mauern in den letzten Jahren erlebt. Gemütlich aber auch immer gut besucht waren die Gertrudensonntage mit Kaiserschmarrn und Kaffee nach Omas Art.
Dass nach dem ersten Tag auch einmal der letzte kommen würde, war den Machern klar. Daher lautete das Motto zum Ende hin auch: wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. sp