Özkan Güler findet immer schnell Kontakt zu den Menschen.   Fotos: privat

Balve. Özkan Güler engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich in humanitären Projekten der DITIB-Gemeinde. Dabei bereiste er Länder in Afrika und Asien und unterstützte die Bevölkerung vor Ort mit dem Bau von Brunnen oder Moscheen, der Versorgung mit Lebensmitteln und Schulgütern, sowie mit medizinischer Hilfe. Aber auch in seiner Heimat der Türkei half er nach schweren Waldbränden 130.000 Bäume anzupflanzen.

Die HÖNNE-ZEITUNG berichtete schon mehrfach über seine zahlreichen Projekte. Heute sprechen wir mit ihm im Interview darüber, was ihn bewegt.

Herr Güler, wo waren Sie in der letzten Zeit?

Im Juni reiste Güler nach Malatya in der Türkei zur Eröffnung einer Moschee nach dem schweren Erdbeben.Fotos: privat

In diesem Jahr war ich während des Opferfestes in Tansania, wo ich die Durchführung der Opferhilfe mehrere Tage lang begleitet habe.
Im Juni reiste ich nach Malatya in der Türkei. Dort wurde eine Moschee feierlich eröffnet, die bei dem schweren Erdbeben vom 6. Februar zerstört worden war. Die Finanzierung des Wiederaufbaus wurde durch eine Spendenkampagne der DITIB-Gemeinden ermöglicht, deren Koordination ich ehrenamtlich begleiten durfte. Es war für mich ein sehr bewegender Moment zu sehen, wie aus der Solidarität vieler Menschen in Deutschland ein konkretes Zeichen der Hoffnung entstanden ist.
Vor wenigen Tagen war ich außerdem in Afghanistan. Dort haben wir vier neu errichtete Wasserbrunnen eingeweiht und Waisenkinder besucht.
Darüber hinaus durfte ich in den vergangenen Jahren zahlreiche Hilfsprojekte in verschiedenen Ländern Afrikas und Asiens begleiten, unter anderem in Niger, Somalia und Nepal.

Welche besonderen Menschen haben Sie dort getroffen?
Vor allem Kinder, Waisenkinder, Familien und ältere Menschen, die trotz schwieriger Lebensbedingungen ihre Hoffnung und ihre Gastfreundschaft nicht verloren haben.
Besonders berührt haben mich Menschen, die mit sehr wenig auskommen müssen und trotzdem Dankbarkeit und Würde ausstrahlen. Solche Begegnungen bleiben lange im Herzen.

Die Aufgaben, die gemacht werden, sind vielfältig. Der Dank ist den Helfern aber immer gewiss.

Wo liegen die Probleme vor Ort?
Die Herausforderungen sind je nach Land unterschiedlich. Häufig fehlen der Zugang zu sauberem Trinkwasser, medizinische Versorgung, Bildungsangebote und wirtschaftliche Perspektiven.
Manche Familien müssen weite Strecken zurücklegen, um Wasser zu holen. Andere können sich medizinische Behandlungen oder Schulmaterialien für ihre Kinder nicht leisten.
Unsere Projekte versuchen genau dort anzusetzen, wo Hilfe nachhaltig wirken kann.

Wer hat die Aktion organisiert?
Die Projekte wurden von den DITIB-Gemeinden organisiert und durch die Spendenbereitschaft vieler Menschen in Deutschland ermöglicht.
Ich begleite diese Einsätze ehrenamtlich und übernehme die Koordination verschiedener Projekte. Vor Ort arbeiten wir eng mit erfahrenen lokalen Partnern zusammen.

Wurden Spenden überbracht?
Ja. Die Spenden wurden in Form konkreter Hilfsprojekte eingesetzt.
Dazu gehören unter anderem Wasserbrunnen, Lebensmittelpakete, Schulmaterialien, die Unterstützung von Waisenkindern sowie Katarakt-Operationen für Menschen, die ihr Augenlicht verloren hatten.
Uns ist wichtig, dass die Hilfe nachhaltig wirkt und dort ankommt, wo sie wirklich gebraucht wird.

Wieso fiel die Wahl auf genau diese Region?
Die Auswahl richtet sich nach dem tatsächlichen Bedarf. Gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort prüfen wir, wo die Not besonders groß ist und wo wir mit den vorhandenen Mitteln möglichst vielen Menschen helfen können.
Unser Ziel ist es, Hilfe dorthin zu bringen, wo sie am dringendsten benötigt wird.

Was motiviert Sie immer wieder, in Krisenregionen zu fahren und sich diesem Leid auszusetzen?
Ich sehe diese Reisen nicht als Belastung, sondern als Verantwortung.
Wenn ich sehe, dass ein Brunnen ein ganzes Dorf mit sauberem Wasser versorgt, ein Kind dank neuer Schulmaterialien zur Schule gehen kann oder ein Mensch nach einer Katarakt-Operation wieder sehen kann, weiß ich, warum sich dieser Einsatz lohnt.
Unser Motto lautet: „Ein Tropfen im Meer der Güte sein.“
Wir wissen, dass wir die Welt nicht allein verändern können. Aber ohne einzelne Tropfen entsteht kein Meer.
Ein Satz des Propheten Muhammad begleitet mich dabei besonders: „Die Besten unter euch sind diejenigen, die den Menschen am meisten nützen.“

Wer hat Sie begleitet?
Ich war Teil eines Teams aus ehrenamtlich engagierten Helferinnen und Helfern der DITIB-Gemeinden. Vor Ort wurden wir von erfahrenen lokalen Partnern unterstützt, die die Situation und die Bedürfnisse der Menschen genau kennen.
Humanitäre Hilfe ist immer Teamarbeit.

Haben Sie einen Appell an unsere Leser?
Ja. Ich wünsche mir, dass wir den Blick füreinander nicht verlieren. Nicht jeder kann in ein Krisengebiet reisen – das muss auch niemand.
Aber jeder Mensch kann helfen: mit einer Spende, mit ehrenamtlichem Engagement oder einfach mit Mitgefühl und Aufmerksamkeit für seine Mitmenschen.
Solidarität beginnt nicht erst in fernen Ländern. Sie beginnt vor unserer eigenen Haustür und reicht bis zu den Menschen, die weltweit auf Unterstützung angewiesen sind.
Wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet, können wir gemeinsam viel bewegen. Denn unser Ziel ist es, ein Tropfen im Meer der Güte zu sein, damit Menschlichkeit, Mitgefühl und Solidarität immer mehr Raum gewinnen.


Das Interview führte Daniel Pütz per E-Mail.