Balve. Die Städtische Realschule Balve hat eine neue Schulleitung. Es ist die Garbeckerin Alexandra Schulte (Foto). Damit wird erstmals in der Geschichte der Realschule eine aus der Stadt Balve stammende Lehrerin Schulleiterin. Die HÖNNE-ZEITUNG befragte die neue Rektorin.

Frau Schulte, Sie sind ja schon einige Zeit an der Realschule in Balve tätig. Klären Sie uns doch bitte mal über ihren beruflichen Werdegang auf und welche Bedeutung dabei bereits die Realschule hat.
Ich bin zunächst zum Walburgisgymnasium nach Menden gegangen. Nach der 10. Klasse habe ich eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht. Später habe ich dann auf dem 2. Bildungsweg mein Abitur am Sauerlandkolleg in Arnsberg nachgeholt und danach an der Universität Dortmund die Fächer Mathematik und Biologie auf Lehramt studiert. Mein Referendariat habe ich von 2007 bis 2009 an der Realschule in Balve absolviert und seitdem bin ich gerne dort. Diese Schule und die Arbeit mit den Kindern sind mir während meines Referendariats sehr ans Herz gewachsen und ich gehe wirklich jeden Tag gerne zur Arbeit!

Was hat Sie bewogen, sich als Rektorin zu bewerben? Es ist ja nun auch schon die zweite Ausschreibungsrunde gewesen, nachdem sich im vergangenen Jahr niemand gemeldet hatte.
Die Stelle als Rektorin hat mich sehr gereizt, weil ich die Möglichkeit gesehen habe, Schule aktiv mitzugestalten und Verantwortung für ihre weitere Entwicklung zu übernehmen. Mir ist es wichtig, den Schülerinnen und Schülern eine positive Lern- und Arbeitsatmosphäre zu schaffen, Bewährtes weiterzuentwickeln und auch für die Eltern ein offenes Ohr zu haben. Mit dem sehr engagierten Kollegium an unserer Schule sind genau diese Dinge möglich.
Dass es sich bereits um die zweite Ausschreibungsrunde handelte, lag an der Qualifizierung, die sich über einen längeren Zeitraum gestreckt hat. In dieser Zeit festigte sich meine Entscheidung Schulleiterin der Realschule Balve zu werden. Als sich die Gelegenheit bot, habe ich sie bewusst ergriffen.

Was meinen Sie, wie kommt es, dass sich auch diesmal nur eine Person, nämlich Sie, für dieses Amt beworben hat? Liegt es am ländlichen Bereich, einer relativ kleinen Schule oder findet sich keiner mehr, der Verantwortung übernehmen will?
Es gibt sicherlich nicht den einen Grund. Schulleitungsaufgaben sind in den vergangenen Jahren deutlich vielfältiger und anspruchsvoller geworden. Neben pädagogischen Themen gehören heute auch Personalführung, Verwaltungsaufgaben und organisatorische Verantwortung zum Alltag. Das kann manche potenzielle Bewerberinnen und Bewerber durchaus abschrecken.
Ob die Lage im ländlichen Raum oder die Größe der Schule dabei eine entscheidende Rolle spielen, kann ich nicht beurteilen. Ich sehe unsere Schule vielmehr als eine Chance: Kleinere Schulen bieten oft die Möglichkeit, nah an den Menschen zu sein und gemeinsam Dinge zu gestalten. Für mich standen deshalb nicht die Rahmenbedingungen im Vordergrund, sondern die Aufgabe selbst und die Möglichkeit, die Schule gemeinsam mit allen Beteiligten weiterzuentwickeln.

Ihre Vorgängerin Frau Fröhling war eine starke Persönlichkeit. Wollen Sie in Ihre Fußstapfen treten, oder gibt es grundlegende Veränderungen, die Ihnen vorschweben?
Frau Fröhling hat die Schule über einige Jahre engagiert geprägt und wichtige Impulse gesetzt. Dafür habe ich großen Respekt. Es geht für mich jedoch nicht darum, in ihre Fußstapfen zu treten oder sie zu kopieren. Jede Schulleitung bringt ihre eigene Persönlichkeit, ihre Erfahrungen und ihre Schwerpunkte mit.
Mir ist wichtig, Bewährtes zu erhalten und gleichzeitig offen für neue Ideen und Entwicklungen zu sein. Veränderungen werde ich nicht um ihrer selbst willen anstoßen, sondern dort, wo sie einen Mehrwert für unsere Schülerinnen und Schüler, das Kollegium und die gesamte Schulgemeinschaft bieten. Mein Ziel ist es, gemeinsam mit allen Beteiligten die Schule kontinuierlich und mit Augenmaß weiterzuentwickeln.
Ich möchte Herrn Münch meinen herzlichen Dank aussprechen. Er hat die Schule in der Zeit nach dem Weggang von Frau Fröhling mit großem Engagement und hoher Verantwortung kommissarisch geleitet. Sein Einsatz hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Schulbetrieb in dieser Übergangsphase verlässlich und erfolgreich weitergeführt werden konnte. Dafür gebührt ihm große Anerkennung. Ich freue mich auf unsere gemeinsame Zusammenarbeit.

Ihr Schulalltag wird sich in Zukunft ändern. Viel Verwaltung, gar keinen oder wenig Unterricht. Wird Ihnen gerade das Unterrichten fehlen?
Ich werde weiterhin unterrichten, allerdings mit geringerer Stundenzahl. Der direkte Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern, die gemeinsamen Lernerlebnisse und zu sehen, wie sie sich entwickeln, gehören für mich zu den schönsten Seiten des Lehrerberufs.
Ich freue mich auf meine neue Aufgabe. Als Schulleiterin habe ich die Möglichkeit, die Schule als Ganzes mitzugestalten und Rahmenbedingungen zu schaffen, von denen alle profitieren – die Schülerinnen und Schüler ebenso wie das Kollegium. Auch wenn der Verwaltungsanteil deutlich größer sein wird, verliere ich den pädagogischen Auftrag dabei nicht aus dem Blick. Mir ist wichtig, trotz der neuen Aufgaben nah am Schulalltag zu bleiben und den Kontakt zu den Kindern und dem Kollegium zu pflegen.

Sie haben ja mit Ihrem Mann einen starken politischen Stadtvertreter an Ihrer Seite. Was meinen Sie, werden die nunmehr kurzen Wege zwischen Schulleitung und Politik eine Rolle spielen, oder werden Sie Privat von Arbeit strikt trennen?
Mein Mann und ich trennen Berufliches und Privates ganz bewusst. Jeder von uns hat seine eigene Rolle und seine eigenen Verantwortlichkeiten. Für mich ist entscheidend, dass ich meine Aufgaben als Schulleiterin unabhängig, transparent und ausschließlich im Interesse der Schule wahrnehme.
Natürlich kann es hilfreich sein, die kommunalen Strukturen und Ansprechpartner zu kennen. Das gilt aber unabhängig von persönlichen Beziehungen. Eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Stadt als Schulträger ist mir wichtig – ebenso wie mit allen anderen Beteiligten. Dabei stehen stets Sachlichkeit, Professionalität und das Wohl der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt.

Vielen Dank, Frau Schulte, für das Interview. Die HÖNNE-ZEITUNG wünscht Ihnen eine immerwährende glückliche Hand bei Ihren Entscheidungen als Rektorin.
Das Interview führte
Roland Krahl per E-Mail.