Das kleine Foto entstand im März – keine fünf Monate später ist der Mammutbaum schon doppelt so hoch.Fotos: privat

Balve/Techiman. Ganz herzliche, frische Grüße aus dem tropischen Balver Wald in Techiman-Mesidan sendet Stephan Koch in die alte Heimat. Der gebürtige Balver lebt seit Jahrzehnten in Ghana und hat im vergangenen Jahr mit der Wiederaufforstung eines Waldstücks, dem Balver Wald, mit finanzieller Unterstützung aus der Heimat, begonnen. Hier sein Zwischenbericht nach dem tropischen Sommer.

Gleich zum Einstieg zwei Waldfotos: Beide Male stehe ich neben dem jungen Mammutbaum. Nun reicht er mir schon bis zur Hüfte, später soll er ja mal 60 bis 70 Meter hoch werden.
Sein einheimischer Name ist Onyina. Da hab einfach mal gegoogelt, hab mein Handy gefragt: „Was ist ein Onyina in Ghana?“ Den Namen hatte man mir hier im Ort genannt. Und siehe da, wissenschaftlicher Name Ceiba pentandra, andernorts auch Kapokbaum genannt. Erstaunlich so’n Handy.
Schneller wuchsen zwar die zwei Bäume im Hintergrund, aber die wird er sicher bald überholt haben. Die beiden sollen auf den Namen Kassodbaum hören, aber ich bin mir nicht sicher, Google Lens drückt sich manchmal sehr wage aus. Ein Baum vom März, ein Mango-Baum, steht nicht mehr so stolz da, eine mächtige Böe hat ihn umgeworfen. Da dieser Wald ja von Anfang an möglichst natürlich aufwachsen soll, hab ich ihn liegen gelassen. Viele Kleintiere sollen sich da jetzt aufhalten und so sorgt er postum noch für Artenvielfalt im Wald.
Ganz abgestorben ist er allerdings gar nicht. Aus dem Dickicht der Gräser um ihn herum schauen wieder frische, junge Mangoblätter hervor. Ganz bedenkenlos sollte man nicht an so ein Gestrüpp herangehen, denn da gibt es womöglich Schlangen und Skorpione.

Die Bewässerungsleitung wurde beim Straßenbau zerstört und muss nun neu verlegt werden.

Ein Skorpion hat mich einmal in den Daumen gestochen und ich kann Euch sagen, das ist ein Gefühl, also ob ein Ackergaul da draufgetreten wäre. Ich kann gar nicht verstehen, wofür schon so kleine Skorpione ein so starkes Gift brauchen!
Ich lasse alles wachsen wie es kommt, wenn ich nur ein schönes Blatt sehe oder eine Blüte, oder Beeren und Schoten. Die Natur übernimmt wieder die Regie. Ich schneide nur die Gräser, denn sonst würden die alles erdrücken. So bilden sie Gründünger. Ich will erst mal einen gesunden, saftigen Boden entwickeln und dann sehen, was wir machen können.
In einer Ecke werde ich in der nächsten Regenzeit Bananen anpflanzen und in anderen Ecken ein paar Kaffeebäumchen. Mango, Kakao und Avocado, Sauer Sop oder auch Jack Fruit genannt und Kasapreko, ein Gewürz für die Suppe und Grundlage für einen Schnapps, Yams und Kassawa, Gardeneggs, Tomaten und Chili haben wir schon.
Regenrückhaltegebiete braucht der Wald noch, damit das Wasser nicht gleich wieder weg fließt, sondern nach unten versickert, ihn ganzjährig feucht hält und nicht jeder Schauer die gute Erde wegträgt.
Der Wald ist also auf einem guten Weg.
Aber!
Ich hatte ja letztes Mal berichtet, dass wir endlich eine Teerstraße ins Dorf bekommen haben.
Auf dem Bild schaufelt der Bagger gerade einen Straßengraben entlang auch unseres Grundstücks runter ins Dorf. Und – ratet mal was genau dort lag?
Richtig unsere Wasserleitung rüber zum Wald.
Auf dem Foto sieht man zwei ca. 25 mm dicke, runde, dunkle Teilstücke davon, zerrissen und schön zusammengefaltet.
Es gibt hier nicht so fein ausgetüftelte Besitzrechte, Meldepflichten und entsprechende Schadensersatzansprüche wie in Deutschland. Wir hatten die Leitung eigenständig gelegt, wie jeder andere hier im Dorf, nun werden wir sie eben eigenständig neu legen müssen. Da, wo unsere Leitung die Querstraße zwischen uns und dem Wald kreuzte, ist die Leitung beim Planieren ein weiteres Mal beschädigt worden, eine Klebestelle zerquetscht. Das Wasser floss nicht mehr rüber in den Waldgarten, sonder gleich in den neuen Straßengraben.
Mittlerweile war die Straße dort aber schon geteert und man konnte nicht alles unseretwegen wieder aufreißen. Wir müssen sie also ganz neu legen mit einem weiten Umweg zu einem kleinen Tunnel, der neuerdings die Kreuzung unterquert, da müssen wir nun durch.
Nur nicht unterkriegen lassen! Wir brauchen das Wasser drüben für den Gartenteil, denn wir wollen ja Leute animieren unserem Beispiel zu folgen. Viele verschiedene Arten von Obst und Gemüse, die Tiere eines gesunden Waldes und Menschen sollen zusammenarbeiten mit dem Bewusstsein, dass die Natur es besser kann als ein wildes Gemisch von chemischem Dünger, Pestiziden, Herbiziden und Fungiziden.
In den kommenden zwei Monaten müssen wir also erst mal wieder eine neue Wasserleitung legen. Danach ist eine Web-Seite geplant, wenn wir denn ein stabiles Internet bekommen, wobei uns Mister Elon Musk helfen will. J J

Zum Abschluss möchte ich mich hier ganz herzlich bedanken bei den Spendern, die uns bis heute begleiten. Ich weiß Euch sehr zu schätzen! Umso mehr, als es doch gerade im Moment in Europa und auch in Deutschland an allen Ecken und Enden brennt. War das nicht erst 1975 als Rudi Karell sang: „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ Oder anders gefragt, ist das schon so lange her?
Trotzdem würden wir uns gewaltig über Eure Unterstützung freuen.
Meine Bankverbindung ist wie folgt:
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Ich persönlich würde mich ganz besonders über Rückmeldungen freuen.
WhatsApp: 00233 59 491 2632 – Email: st.koch.balve@gmx.deww

Ganz herzliche Grüße aus einem Balver Wald! Und einen schönen regenreichen Herbst wünsch ich Euch! Stephan Koch