Das Apo-Festival ist so ein bisschen was wie Karneval. Fotos: privat
Balve/Techiman. Herzliche Ostergrüße aus dem „Balver Wald“ in Techiman-Mesidan, Ghana, sendet der gebürtige Balver Stephan Koch. Er hat wieder einen Bericht aus seiner Wahlheimat verfasst und berichtet über den Fortschritt beim Balver Wald.
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Mein Gott, wie die Zeit schon wieder davon gerast ist. Eigentlich wollte ich mich Weihnachten gemeldet haben, aber es gab nichts zu berichten. Es gab keinen Schnee – tatsächlich nicht – und der Wald lag in Trockenstarre.
Allerdings ist das sicher eine gute Zeit für den Straßenbau. Wir bekommen endlich einen Teerstraßenanschluss zum Rest der Welt! Dazu legt man hier zunächst die Straßengräben an, einer rechts einer links der Fahrbahn, um die tropischen Regenmassen abzuleiten, die würden sonst jede Straße gleich wieder wegspülen. Wir sind natürlich froh über die Straße, die wird vieles einfacher machen, aber zunächst wurde unsere Wasserleitung vom Haus zum Wald, die die Straße kreuzt, gleich zweimal zerrissen und sie wird vermutlich noch einmal auf einer ganzen Länge zerrissen werden, wenn die Straße an unserem Haus vorbei gelegt wird. Nun gut, das war unser Weihnachtsgeschenk.
Den Wald hab ich nun gut drei Monate fleißig gegossen. Man kann sich nur wundern mit wie wenig Wasser die Bäume hier auskommen. Die Pionierbäume, die wir von der Stadt bekommen haben, sollen ja den Erdboden vorbereiten, tief einwurzeln und wieder Leben von ganz unten nach oben bringen. Und die sind kräftig gewachsen. Auf dem Foto knie ich neben dem einzelnen Mammutbaum, er reicht mir schon – kniend – bis zur Hüfte! Manche andere Bäume sind jetzt schon größer als ich!
Das Foto ist nun wieder ein paar Tage alt, es hat zweimal ein bisschen geregnet, und gleich schießt das Grass in die Höhe und ich werde es kurz halten müssen. Wir wollen aber zwischen den Bäumen Kassawa anpflanzen. Der produziert in der Erde dicke Knollen, aus denen man Fufu stampft und über der Erde jede Menge Schatten und Laub, das für mich das Gras und andere Kräuter unterdrückt, Einkommen bringt – denn wir sind ja ein Agrowald – und mir und meiner Machete Arbeit ersparen soll. Mit der Zeit soll im Kernbereich alles wachsen, was kommt – Biodiversität ist das Zauberwort.
Was ist sonst noch passiert?
Im Moment bereitet man sich hier auf Ostern vor und das Apo-Festival, das ist so ein bisschen was wie Karneval. Immer wird viel getanzt und gesungen, getrommelt und gelacht und die Kinder und auch die Lehrer lassen in der Schule Mathe Mathe sein und Englisch Englisch und lernen und lehren lieber Tanzen und Trommeln, wie man auf dem Foto sehen kann. Die Kinder sind für mich immer eine wahre Freude. „Obroni, koko maatsche!“ rufen sie mir schon von Weitem mit strahlenden Gesichtern zu. Obroni, das sind wir Weiße und maatsche (schreibt sich natürlich ganz anders) bedeutet guten Morgen. Immer grüßen sie: „Guten Morgen“, auch abends. Die Schulen bringen hier vielleicht nicht so viel Theorie bei, aber die Kinder konzentrieren sich auf ein gutes Miteinander und, wie man sehen kann, auf Lachen, Singen und Tanzen auch Trommeln und Blödsinn machen!
Wenn mir der Tag schwerfällt, brauche ich nur ein bisschen mit den Kindern zu quatschen und schon geht‘s mir wieder gut. Und das Leben ist zurzeit nicht leicht. Wir spüren auch hier draußen im Busch die verrückte Weltpolitik. Die Spritpreise ziehen an und damit beinahe alle anderen Preise auch. Zur gleichen Zeit wenden sich Länder vom Dollar und vom Euro ab und kaufen Gold.
Ghana ist einer der größten Goldproduzenten der Welt und der Ghana Cedi ist stark wie nie zuvor. Ich muss mittlerweile 30 % mehr für den Cedi hinblättern als vor 1 ½ Jahren, bis die Rente bei mir auf dem Konto eintrifft. Man kann das Problem auch andersherum sehen und da bekomme ich 30 Prozent weniger Rente ausbezahlt. Auch das Waldprojekt hat schon schwer darunter gelitten und wir konnten nicht das tun, was wir wollten. – Immerhin, der Wald steht, die Bäume kümmern sich weder um Euro-Kurse noch Goldpreise, sie wachsen.

Stephan Koch im „grünen Dickicht“. Fotos: privat
Ich freue mich darauf, dass der Regen bald intensiver wird und ich nicht um jeden Baum kämpfen muss, besonders um die Kakaobäumchen. Es gibt hier auch noch eine Kakao-Krise – Schokolade ist in Europa immer teurer, aber hier in Afrika brach der Kakaomarkt zusammen. Ich nehme an, hier bei uns wurde der Bogen überspannt, jeder wollte teilhaben am braunen Gold und hat produziert und produziert. Nun war das Wetter günstig, Erwartungen und Versprechen sehr hoch, aber den Großaufkäufern war das zu teuer und sie haben ihre Käufe eingestellt. Und der kleine Bauer, das sind viele, viele unserer Nachbarn hier im Dorf, bekommt von heut auf morgen kein Geld mehr.
Ich überlege mir schon, was ich in drei vier Jahren mache, wenn meine Bäume so weit sind. Können wir eigene Schokolade produzieren? Über ein gutes Rezept würde ich mich sehr freuen!
Aber nun wünsche ich Euch allen ein frohes Osterfest, viele leckere Schokoladeneier und Frieden in der Welt!
Euer Stephan Koch
P.S. Ostereier haben wir schon in unserem Garten: Garden Eggs, eine kleine Auberginenart.
Noch ein P.S. Ich werde mein Eden-Konto bald auflösen, es kostet zu viele Bankgebühren. Spenden sind aber weiterhin willkommen, auch wenn ich weiß, dass in Deutschland ebenfalls alles schwieriger geworden ist. Wir müssen vermutlich die Wasserleitung bald neu legen, brauchen eine Schubkarre und wollen die Allee weiter vorantreiben.
Meine Bankverbindung ist nun wie folgt:
IBAN: DE71 4476 1534 0018 6917 01
BIC: GENODEM1NRD
Bitte den Verwendungszweck angeben: Garten Eden oder Ein Balver Wald oder einfach nur Wald oder Bäume, dann weiß ich Bescheid.
Herzlichen Dank
Euer Stephan


