Anzeige

Die Schlachthöfe sind nicht zuletzt durch den Schlachtbetrieb Westfleisch (Coesfeld und Hamm) in den Fokus der Gesundheitsämter und der Politik gerückt, da sie sich mehr und mehr zu Corona-Brennpunkten entwickeln. Zu den schwarzen Schafen, die wegen der schlechten Arbeits- und Unterkunftsbedingungen seit zig Jahren in der Kritik stehen, zählt die Familie Jedowski aus Balve nicht. Sie betreibt ihren Schlachthof in Unna und ist nach Aussage von Firmen-Chef, Fleischermeister Burkhard Jedowski, bei den Corona-Tests der Mitarbeiter nicht negativ aufgefallen.

„Wir haben einen Anruf erhalten und knapp zwei Stunden später sind wir auf das Corona-Virus getestet worden. Alle Abstriche waren negativ. Dies gilt für alle 35 Angestellten“, sagte uns Jedowski, der nicht überrascht ist, dass einige Schlachthöfe zu Corona-Brennpunkten geworden sind.

Anzeige


Ursache für die hohe Zahl der Corona-Infizierten sind nach Meinung von Jedowski die Sammelunterkünfte, in denen die Fremdarbeiter auf engstem Raum zusammenleben müssten. Das sei moderner Menschenhandel. Um Gewinne zu maximieren würden die Schlachthofbetreiber das Schlachten an billige Fremdfirmen auslagern. „Wir als Familie Jedowski haben dieses Spiel nicht mitgemacht. Bei uns sind nur Mitarbeiter beschäftigt, die auch in Deutschland leben“, sagt Jedowski, der das System als krank bezeichnet.

Er übte mit Blick auf die Fremdarbeiter Kritik an der Politik, der die Missstände in den Schlachthöfen seit Jahren bekannt seien, aber nicht für Abhilfe gesorgt hätten. Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) macht ihrem Unmut Luft: „Diese Krise macht deutlich, wie überfällig es ist, auf Stopp zu drücken und den ruinösen Preiskampf beim Fleisch zu beenden.“

Anzeige


Dem stimmt Jedowski zu. Nach seiner Ansicht darf Fleisch kein Billigprodukt sein. Es müsse teurer sein, dafür aber gut. Mit Blick auf den Tierschutz sei es ohnehin sinnvoll, weniger Fleisch zu essen, dafür aber hochwertiges. Auf die Frage, ob die Schlachthöfe durch die negativen Schlagzeilen einen Imageschaden nehmen?, antwortete Jedowski wie aus der Pistole geschossen: „Der war doch vorher schon durch die schlimmen Vorkommnisse in der Vergangenheit gegeben.“ Inzwischen hat die Politik reagiert und geht gegen den Einsatz der Mitarbeiter von Fremdfirmen in den Schlachtbetrieben und deren Unterbringung in Sammelunterkünften vor.

Anzeige