Jens Schilling informierte die Teilnehmer. Fotos: Laura Berken
Garbeck. „Können Sie helfen, wenn plötzlich jemand neben Ihnen zusammenbricht?“ –mit dieser Frage begann ein eindrucksvoller Schulungsabend im Garbecker Jugendheim. Der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Garbeck hatte zu einer Informationsveranstaltung rund ums Thema Laienreanimation eingeladen. Rund 26 Interessierte folgten der Einladung, um zu lernen, wie man im Ernstfall richtig handelt – denn bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute.
Geleitet wurde der Abend von Dozent Jens Schilling, der gleich zu Beginn deutlich machte, worum es geht: „Am Ende des Abends soll jeder von Ihnen in 40 Sekunden entscheiden können, ob jemand tot oder lebendig ist.“ Ziel der Veranstaltung war es, den Teilnehmern die Angst vor dem Helfen zu nehmen und Sicherheit im Umgang mit Notfällen zu vermitteln.
Der Abend war in einen Theorie- und einen Praxisteil gegliedert. Dabei lernten die Teilnehmer:
- einen Herz-Kreislauf-Stillstand zu erkennen,
- den Notruf korrekt abzusetzen,
- eine wirksame Herzdruckmassage durchzuführen,
- sowie einen automatisierten externen Defibrillator (AED) richtig einzusetzen.
Im theoretischen Teil machte Schilling deutlich, wie wichtig schnelle Hilfe ist: Ein Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses zählt in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Jährlich sind etwa 120.000 Menschen betroffen. Zwar werden in rund 70.000 Fällen Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet, dennoch überleben nur etwa elf Prozent der Betroffenen.
Besonders alarmierend: Nur etwa jeder zweite Deutsche traut sich zu helfen. Dabei kann gerade die schnelle Hilfe durch Laien die Überlebenschancen um das Zwei- bis Dreifache erhöhen. Schon einfache Herzdruckmassagen sorgen dafür, dass der noch vorhandene Sauerstoff im Blut weiter durch den Körper transportiert wird, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Besonders die Situation im ländlichen Raum sei kritisch: „Hier auf dem Land dauert es oft länger, bis ein Notarzt vor Ort ist. Genau deshalb ist es so wichtig, dass Ersthelfer sofort handeln.“ Denn bereits nach 3 Minuten ohne Sauerstoff beginnen Gehirnzellen abzusterben. Ohne Wiederbelebungsmaßnahmen sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um etwa zehn Prozent.
Auch die Ursachen eines Herzstillstands wurden erläutert. Häufig stecken schwere Herzinfarkte oder Herzrhythmusstörungen dahinter. Aber auch Schlaganfälle, Lungenembolien, Vergiftungen oder schwere Unfälle können dazu führen, dass das Herz plötzlich aufhört zu schlagen.
Im praktischen Teil konnten die Teilnehmer selbst aktiv werden. Jens Schilling erklärte das Vorgehen: Es sollte mit einer Frequenz von 100- bis 120-mal pro Minute gedrückt werden – etwa fünf bis sechs Zentimeter tief. Seine klare Botschaft: „Habt keine Angst vor Rippenbrüchen – die verheilen. Wichtig ist, Leben zu retten.“
Auch der Einsatz eines AED-Gerätes wurde demonstriert. Diese automatisierten Defibrillatoren sind inzwischen vielerorts öffentlich zugänglich und können im Ernstfall lebensrettend sein. Moderne Geräte geben klare Sprachansagen und führen Helfer Schritt für Schritt durch die Anwendung.
Ein weiteres Thema war die Beatmung. Empfohlen wird bei der Laienreanimation weiterhin das Verhältnis 30 zu 2 – also 30 Herzdruckmassagen und anschließend zwei Beatmungen. Gleichzeitig stellte Schilling klar: Wer sich unsicher fühlt, Hemmungen hat oder alleine mit den Patienten ist, soll sich ausschließlich auf die Herzdruckmassage konzentrieren. Entscheidend sei vor allem, überhaupt zu handeln.
Zum Abschluss wurde noch einmal der einfache Ablauf im Ernstfall zusammengefasst:
Prüfen – Rufen – Drücken. Zunächst wird kontrolliert, ob die Person ansprechbar ist und normal atmet. Reagiert sie nicht, wird sofort der Notruf gewählt. Danach beginnt unmittelbar die Herzdruckmassage – bis professionelle Hilfe eintrifft.
Die Veranstaltung machte deutlich: Jeder kann Leben retten. Oft braucht es dafür nur etwas Wissen – und den Mut, zu handeln. LB



