Christian Kukuk wurde erstmals Deutscher Meister der Springreiter. Foto: Dagmar Sauer

Wocklum. Das LONGINES BALVE OPTIMUM hat eindrucksvoll bewiesen, dass echte Begeisterung wetterfest ist: Trotz eines wechselhaften Mixes aus Sonne, Wolken, Wind und Regen strömten rund 30.000 Besucher an fünf Tagen auf das Turniergelände – eine herausragende Kulisse für die Athleten und ein starkes Zeichen für die enorme Anziehungskraft der Veranstaltung.

Unbeeindruckt von den äußeren Bedingungen sorgten die Zuschauer in der Dressurarena wie auch im Springstadion für eine durchgehend mitreißende Atmosphäre: Davon zeugten die voll besetzten Ränge und der frenetische Jubel an allen Tagen. Acht deutsche Meister wurden gekürt – und die Entscheidungen zeigten Spitzensport auf höchstem Niveau. „Mein Dank gilt vor allem auch den Reitern! Sie haben tollen Sport gezeigt und ohne die sportlichen Höchstleistungen würde es diese begeisterte Stimmung hier nicht geben! Das LONGINES BALVE OPTIMUM hat wieder gezeigt, dass wir eine echte Leuchtturmveranstaltung für diese Region sind“, so das Fazit von Veranstalterin Rosale von Landsberg-Velen.


Was ein Krimi im Stechen
Olympia-Sieger Christian Kukuk erstmals Deutscher Meister der Springreiter, Silber für Marco Kutscher, Bronze an Maximilian Lill
3 Paare blieben nach insgesamt zwei Wertungsprüfungen und vier schweren Umläufe hinweg fehlerfrei – so dass ein Stechen um die Deutsche Meisterschaft der Springreiter beim LONGINES BALVE OPTIMUM nötig wurde. Erster war Maximilian Lill. Er leistete sich leider drei Abwürfe auf dem elfjährigen Oldenburger Hengst Casallco`s George PS (v. Chacco Blue). Nun würde die Entscheidung um den nationalen Titel zwischen dem amtierenden Olympiasieger Christian Kukuk und Marco Kutscher, zweifacher Team-Olympiasieger (2004, 2008), zweifacher Mannschafts-Europameister (2005 u. 2011) sowie Einzel-Europameister 2005 und Deutscher Meister aus dem Jahr 2003, fallen.

Traditionell gibt es für den Sieger ein Bad im Wassergraben. Dafür sorgen die Silber- und Bronzegewinner. Foto: Dagmar Sauer

Christian Kukuk behielt die Nerven und lieferte auch im Stechen eine blitzsaubere Runde ab auf dem zehnjährigen Zangersheider Wallach Akarad Tivoli Z (v. Akarad Hero). Marco Kutscher musste also bei seinem elfjährigen Holsteiner Colman-Nachkommen Cool Fox aufs Gas drücken, wenn er Kukuk den Titel nehmen wollte. Doch Fortuna war nicht auf seiner Seite – zwei Abwürfe machten aber immerhin die Silbermedaille, und für Christian Kukuk den ersten Deutschen Meistertitel!

Bronze fiel natürlich an Maximilian Lill, der damit erstmals nationales Edelmetall erhielt. „Vor dem Start im Stechen sagte ich noch `scheiße`, da ich wusste, wie schnell Marco und Christian sein können. Mein Pferd ist nicht so schnell, also musste ich auf Risiko gehen – das ging schief, deshalb habe ich Bronze“, lacht der gebürtige Bayer, der seit über 10 Jahren in Löningen bei Lastrup selbständig ist.

Übrigens: Vor neun Jahren war Christian Kukuk das letzte Mal bei den Deutschen Meisterschaften in Balve – lag sogar in Führung, hatte den Titel zum Greifen nahe „und dann versaute ich es. Es war allerdings die letzte Deutsche Meisterschaft, die meine Mutter miterlebte. Sie verstarb. Jetzt neun Jahre später diese Rechnung hier zu begleichen und nun in Anwesenheit meiner Frau und unseres Kindes hier zu gewinnen, macht mich unheimlich stolz. Als kleiner Junge habe ich schon davon geträumt, Deutscher Meister zu werden. Bin sehr motiviert hierhergefahren, hatte mir aber nicht zu viele Chancen ausgerechnet, da ich mein Pferd Akarad erst seit Januar im Stall habe“, so Christian Kukuk. Aber sein vierbeiniger Partner sei ein sehr intelligentes, sehr ehrgeiziges Pferd mit Potential für Championate. Und weiter: „Hier in Balve die insgesamt fünf Umläufe auf diesem Niveau – das kann man schon in der 5*-Kategorie ansiedeln. Balve hat immer eine besondere, familiäre Atmosphäre. Das Publikum hat uns so angefeuert und unterstützt! Danke!“

Marco Kutscher war ziemlich überrascht, dass er mit Cool Fox und nicht mit Lemar auf dem Silberrang gelandet ist. „Cool Fox ist eigentlich nicht so konstant. Mal läuft es, mal läuft es nicht. Aber was er jetzt hier in Balve über die fünf Runden vollbracht hat, macht mich sehr froh“, so Kutscher, der sehr gerne nach Balve kommt. „Ich versuche eigentlich immer hier zu sein, ich mag das Turnier sehr gerne und bin großer Unterstützer.“

Insgesamt vier Paare waren nach drei Umläufen fehlerfrei geblieben – für den dreifachen Deutschen Meister Mario Stevens (2018, 2022 und 2025) allerdings endete der Traum vom erneuten Titel nach einem Abwurf im vierten Umlauf. Gesattelt hatte er sein Meisterschaftspferd von 2022 und 2025 Starissa FRH, einen 13-jährigen Hannoveraner Wallach von Stakkato Gold. Dieses Paar zog dadurch nicht ins entscheidende Stechen ein. Übrigens: Hätte der Molbergener Mario Stevens die Goldmedaille ein viertes Mal gewonnen, wäre er mit Ludger Beerbaum gleichgezogen.

Deutsche Meisterschaft der Springreiter
Gold: Christian Kukuk, Akarad Tivoli 0/0/0/0/0 (S)
Silber: Marco Kutscher, Cool Fox 0/0/0/0/8 (S)
Bronze: Maximilian Lill, Casallco`s George PS 0/0/0/0/12(S)

LONGINES OPTIMUM PREIS – 2. Wertungsprüfung zur Deutschen Meisterschaft der Springreiter – 2 Umläufe
Die 2. Wertungsprüfung der Deutschen Meisterschaft der Springreiter war der LONGINES OPTIMUM PREIS, präsentiert von IWest-Tierernährung. Hier gab es zwei erste Plätze: Christian Kukuk mit Akarad Tivoli Z – neuer Deutscher Meister der Springreiter – und Silbermedaillengewinner Marco Kutscher mit Cool Fox teilten sich die Goldene Schleife. Beide blieben über beide Umläufe hinweg fehlerfrei und benötigten exakt 59,63 Sekunden. Rang zwei belegte Tobias Meyer (Deutscher Meister 2021) mit Caillou (0/0/59,99) vor dem Bronzemedaillengewinner Maximilian Lill. Mit Casallco`s George PS blieb auch er Doppelnull in 60,27 Sekunden.
1. Christian Kukuk Akarad Tivoli Z 0/0/59,63
1. Marco Kutscher Cool Fox 0/0/59,63
2. Tobias Meyer Caillou 0/0/59,99
3. Maximilian Lill Casallco`s George PS 0/0/60,27


Deutsche Meisterschaft der Para-Dressurreiter Grade IV-V
Deutsche Meisterschaften Para-Dressur Kür – Preis der 360° Sportpferde
Als letzte Starterin räumte sie das Feld von hinten auf: Regine Mispelkamp ritt in der Deutschen Meisterschaft der Para-Dressurreiter Grade IV-V in der Kür – Preis der 360° Sportpferde – mit ihrem 14-jährigen niederländischen Wallach Highlander Delight`s von Florencio I voll „auf Angriff“, wie sie nachher selbst sagte. Die Silbermedaillengewinnerin der Paralympics 2024 in Paris in Einzel und Kür sowie dreifache Europameisterin von 2025 sicherte sich mit dem Sieg in der Kür (78,333 %) auch den Deutschen Meistertitel der Para-Dressurreiter Grade IV-V.

Siegerehrung: Gold für Regine Mispelkamp auf Highlander Delight`s, Silber für Helen Schildhauer auf Vulkan Vegas IB und Bronze für Anna-Lena Niehues auf Vive L’amour. Foto: Dagmar Sauer

Das Ergebnis setzt sich aus der Summe aller drei Wertungsprüfungen zusammen. Regine Mispelkamp lieferte sich über alle drei Wertungsprüfungen hinweg ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Helen Schildhauer. Auch in der Kür lieferten sich die Zwei ein Duell. Mit Vulkan Vegas IB, achtjähriger Westfalen Wallach von Vitalis, kam Schildhauer auf 77,675 Prozent – das machte summa summarum Platz zwei und insgesamt die Silbermedaille
Anna-Lena Niehues belegte in der Kür mit der neunjährigen Westfälin Vive L´Amour von Vainqueur den dritten Platz (76,458 %) – und auch hier machte Platz drei insgesamt die Bronzemedaille.

Medaillenränge mit Gesamtpunktestand:
Gold: Regine Mispelkamp Highlander Delight`s 225,745 %
Silber: Helen Schildhauer Vulkan Vegas IB 224,963 %
Bronze: Anna-Lena Niehues Vive L´amour 218,300 %

Deutsche Meisterschaft Para-Dressur Grade IV-V, Kür, Preis der 360° Sportpferde
1. Regine Mispelkamp Highlander Delight`s 78,333 %
2. Helen Schildhauer Vulkan Vegas IB 77,675 %
3. Anna-Lena Niehues Vive L`amour 76,458 %