Balve. Welche Auswirkungen haben die geplanten Änderungen des Kinderbildungsgesetzes auf den Alltag unserer örtlichen Kindertageseinrichtungen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines intensiven Austauschs zwischen dem heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Eggers und Vertreterinnen und Vertretern aus der Praxis.

Initiiert wurde der Austausch von Linda Gaberle, CDU-Ratsmitglied aus Garbeck, sowie von Jennifer Hepping, Elternbeiratsvorsitzende des Familienzentrums Hl. Drei Könige Garbeck. Ihr Anliegen war es, diejenigen an einen Tisch zu bringen, die die Folgen der KiBiz-Novelle unmittelbar im Alltag erleben. An dem Austausch nahmen Vertreterinnen und Vertreter der Kindertageseinrichtungen Hl. Drei Könige Garbeck, St. Blasius Balve, St. Antonius Beckum sowie der Hönnezwerge Neuenrade teil. Ebenfalls vertreten waren Mitglieder des Kirchenvorstands Balve sowie Fraktionsmitglieder der CDU Balve.

Direkt zu Beginn machte Matthias Eggers deutlich, dass ihm der direkte Kontakt zur Praxis besonders wichtig sei. Er wolle nicht nur über Kindertageseinrichtungen sprechen, sondern vor allem mit den Menschen, die dort täglich Verantwortung für Kinder, Familien und Mitarbeitende tragen.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen die aktuellen Herausforderungen in den Kitas. Besonders eindrücklich schilderten die Teilnehmenden die Situation des Fachkräftemangels. Bereits kurzfristige Personalausfälle könnten dazu führen, dass Einrichtungen auf Notbetreuung umstellen müssten. Dies belaste nicht nur Familien und erschwere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern stelle auch die pädagogische Arbeit in den Einrichtungen vor große Herausforderungen.

Ein zentrales Thema war die geplante Regelung zu Kern- und Randzeiten von Betreuungsangeboten. Zwar könne mehr Flexibilität grundsätzlich hilfreich sein, zugleich äußerten die Anwesenden aber die Sorge, dass dies zulasten der Betreuungsqualität gehen könnte. Die Fachkräfte machten deutlich: „Kinder brauchen mehr als reine Aufsicht.“ Frühkindliche Bildung, individuelle Förderung, Inklusion und Sprachbildung seien nur dann zuverlässig möglich, wenn ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung stehe. Der Schutz, die Entwicklung und das Wohl der Kinder müssten bei allen politischen Entscheidungen oberste Priorität haben.

Auch die Finanzierung der Kindertageseinrichtungen wurde intensiv diskutiert. Obwohl das Land zusätzliche Mittel für den Kita-Bereich bereitstelle, würde aus Sicht der Betroffenen diese Entlastung in den Einrichtungen bislang kaum spürbar ankommen. Einigkeit bestand darin, dass wirtschaftlicher Druck nicht dazu führen dürfe, an der Qualität der Betreuung und somit an den Kindern zu sparen.

Ein weiterer Themenbereich war die zunehmende Bürokratie. Kita-Leitungen berichteten, dass Dokumentationspflichten und Verwaltungsaufgaben immer mehr Zeit in Anspruch nähmen. Zeit, die letztlich in der pädagogischen Arbeit mit den Kindern fehle. Eggers zeigte sich offen für konkrete Hinweise aus der Praxis und kündigte an, dass die Landesregierung plane zum 1. Januar 2027 sämtliche Dokumentationspflichten im Verantwortungsbereich des Landes Nordrhein-Westfalen pauschal aufzuheben. Eine Wiedereinführung müsse dahingehend ausführlich begründet werden. Dies sei ein wichtiger Schritt, um auch Kita-Einrichtungen spürbar zu entlasten und den Fachkräften wieder mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe zu geben.

Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde angesprochen. Starre Buchungszeiten entsprächen häufig nicht mehr den Lebensrealitäten vieler Familien. Gleichzeitig machten die Leitungen deutlich, dass mehr Flexibilität nur dann umsetzbar sei, wenn auch die personelle Ausstattung entsprechend verbessert werde.

Zum Abschluss betonten die Teilnehmenden, dass Investitionen in die frühkindliche Bildung Investitionen in die Zukunft seien. Qualität koste Geld, fehlende Qualität koste langfristig jedoch deutlich mehr.

Matthias Eggers bedankte sich ausdrücklich für die Offenheit und die zahlreichen Praxisberichte. Er kündigte an, die Anregungen mit nach Düsseldorf zu nehmen und in die weiteren Beratungen zur KiBiz-Novelle einzubringen. Zudem sagte er zu, im Rahmen seiner Tagespraktika während der parlamentarischen Sommerpause künftig eine der heimischen Kindertageseinrichtungen zu besuchen, um den Arbeitsalltag vor Ort noch besser kennenzulernen.

Auch Linda Gaberle zog ein positives Fazit der Veranstaltung: „Es war wichtig, dass alle Beteiligten miteinander ins Gespräch gekommen sind. Nur, wenn die täglichen Erfahrungen aus den Einrichtungen ernst genommen werden, können gute und tragfähige Lösungen entwickelt werden.“