Die Grenzen austesten gehört zum Leben dazu. Das sagte sich auch die Mitarbeiterin der HÖNNE-ZEITUNG, Laura Berken, und begab sich beim Panoramalauf auf die Strecke. Hier ihr Erfahrungsbericht.
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Mein erster offizieller 7-Kilometer-Lauf. Am Ende wusste ich, warum ich ihn gemacht habe.Foto: privat

Es gibt Entscheidungen im Leben, bei denen man sich im Nachhinein fragt: Was hat mich da eigentlich geritten? Die Anmeldung zum 7-Kilometer-Lauf beim Balver Panoramalauf war so eine Entscheidung.
Dabei fing alles ganz harmlos an – oder eher: ganz früh. Meine erste Teilnahme an diesem Lauf liegt Jahre zurück, in der Grundschulzeit. Damals liefen drei Kinder aus meiner Jahrgangsklasse beim Schülerlauf mit – ich war eines davon.
Dass ich den dritten Platz belegte, lag somit weniger an sportlicher Glanzleistung als an schlichter Mathematik: Drei Teilnehmer, drei Plätze. Ich kam relativ spät ins Ziel, aber hey, eine Platzierung ist eine Platzierung.
Seitdem hat sich viel verändert. Heute gehört Sport tatsächlich zu meinen Hobbys – freiwillig, regelmäßig und sogar mit Freude verbringe ich einen Großteil meiner Freizeit damit. Trotz dessen waren die ersten Reaktionen auf die Idee, beim Panoramalauf sieben Kilometer zu laufen, eine Mischung aus verwundertem Stirnrunzeln und vorsichtigem Lächeln – so, als hätte ich gerade angekündigt, bald einen Marathon zu laufen. Mein persönlicher Rekord lag bis dahin bei fünf Kilometern – und das auch nur gezwungenermaßen im Sportunterricht.
Doch ich ließ mich nicht abschrecken, stellte mir einen Trainingsplan zusammen und begann – ganz bescheiden – mit vier Kilometern. Mit der Zeit merkte ich erste Fortschritte, es wurden erst fünf, dann sechs und schließlich sogar zehn Kilometer. Dass ich eigentlich im Abitur steckte und lernen sollte, erwähne ich an dieser Stelle nur mit einem Augenzwinkern. Während ich mich durch Gedichtanalysen und Kurvendiskussionen quälte, entdeckte ich gleichzeitig meine Leidenschaft fürs Laufen. Und fürs Brotbacken. Aber das ist eine andere Geschichte.
Mein Training wurde vielseitiger: Ich begann, Dauer-, Intervall- und Regenerationsläufe in mein Training einzubauen, bei denen ich mich manchmal bereits nach 30 Sekunden fragte, warum ich das alles eigentlich mache. Trotzdem blieb ich dran. Denn so seltsam das klingt: Irgendwann machte das Laufen nicht nur fitter – es machte auch den Kopf frei. In einer Zeit voller Prüfungsstress war das genau das, was ich brauchte.
Der Morgen des Laufes begann für mich mit der Abholung meiner Startnummer – die 111. Eine schöne Zahl, fand ich. 
Angetreten bin ich mit dem Team des Garbecker Fitnessstudios „Life“. Vor dem Start fand noch ein kurzes Treffen statt und es wurden ein paar Gruppenfotos gemacht. Ich fühlte eine Mischung aus Vorfreude, Aufregung und dem Drang endlich loslaufen zu dürfen. Um 11.15 Uhr war es endlich so weit, gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des 4-, 7-, 10- und 20-Kilometer-Laufes stellten wir uns an der Startlinie auf.
Die ersten Meter führten uns in die Amecke, geradeaus, mit nur leichter Steigung. Ich war überrascht, wie ruhig und konzentriert ich trotz der ganzen Menschen um mich herum laufen konnte – kein übertriebenes Anfangstempo, kein unnötiger Stress. Das änderte sich ein paar Minuten später, als die erste größere Steigung begann. Ich blieb dran und vor allem eines, in Bewegung. Während des gesamten Laufs blieb ich kein einziges Mal stehen – ein kleiner, aber bedeutender persönlicher Erfolg für mich.
Nach dem Abzweig von der 4-Kilometer-Strecke ging es in ein Waldstück. Knapp drei Kilometer auf unebenen Wegen, mit nicht zu unterschätzenden Höhenmetern. Die Strecke war schön, aber fordernd. Und wenn man gerade selbst mit der eigenen Atmung beschäftigt ist, fühlt es sich natürlich nicht besonders gut an, wenn man von jemandem überholt wird, der dabei noch locker aussieht. 
Es folgte ein längeres Stück bergab – eine willkommene Abwechslung. Je näher ich dem Ziel kam, desto mehr Menschen standen am Rand. Der Applaus, die Zurufe, die freundlichen Gesichter – das alles setzte tatsächlich noch mal Energie frei, die ich in dem Moment gut gebrauchen konnte. Ich realisierte, dass ich es wirklich schaffen würde. Nicht nur irgendwie – sondern mit einer guten Zeit.
Im Ziel war die Freude groß: 20. Platz beim 7-Kilometer-Lauf, von insgesamt 46 Läuferinnen und Läufern. Ich war die vierte Frau, die mit einer Zeit von 44 Minuten und 53 Sekunden ins Ziel kam, ein Ergebnis, mit dem ich mehr als zufrieden bin.
Im Nachhinein meldete sich schmerzlich mein Bein – eine kleine Zerrung, die ich im Vorfeld etwas ignoriert hatte. Ich humpelte leicht vom Platz und landete später mit einem Kühlpack im Bett. Doch auch das konnte meine Zufriedenheit nicht trüben, ich hatte den Lauf durchgezogen, das war alles was zählte. 
Der Panoramalauf war für mich definitiv mehr als nur ein sportliches Experiment. Er hat mir gezeigt, dass ich – auch neben dem ganzen Abistress – etwas Neues angehen und durchziehen kann. Laufen ist eben nicht nur eine anstrengende Sportart, sondern kann, wenn man es richtig macht, sogar wirklich Spaß machen.
Für mich soll es daher nicht bei diesem einen Lauf bleiben, ich möchte dranbleiben, besser werden und neue Strecken ausprobieren. Nicht, um Rekorde zu brechen, sondern weil es guttut, sich ein Ziel zu setzen, darauf hinzuarbeiten, um am Ende mit Stolz über eine Ziellinie zu laufen.
Laura Berken