Noch nicht fertiggestellt ist die Brücke in der Helle. Aufgrund von Baumängeln muss sie saniert werden, noch vor der Abnahme.  Fotos: Roland Krahl

Balve/Helle. Es war eigentlich das Thema des Abends: Was ist mit dem Neubau der B229 zwischen der Helle und Sanssouci und was ist mit der Brücke los? Es war von vornherein klar, dass es dazu viele Fragen geben würde, die Antworten der Vertreter von Straßen.NRW, die zur USB-Sitzung ins Rathaus gekommen waren, waren allerdings eher karg.

Ingo Menzel, Abteilungsleiter Planung, führte zunächst einmal aus, dass der neue Bauabschnitt die volle Unterstützung von Bund und Land erfahre und dieses Bauprojekt Priorität habe. Daher habe man auch von dem sonst üblichen Verfahren des Planfeststellungsverfahrens Abstand genommen und übernehme die Abstimmung mit weiteren Behörden und Organisation in Eigenregie, um so schneller zum Ziel zu gelangen.

Ingo Menzel (stehend) beantwortete nicht alle Fragen, die die Ausschussmitglieder hatten.

Die alte aus dem Jahr 1850 stammende Brücke sei in den vergangenen Wochen mit neuen Stahlträgern verstärkt worden und man sei zufrieden mit dem Zustand. Bei der neu gebauten Brücke in der Helle, die über die Hönne führt, seien vor Ende der Baumaßnahme Baumängel festgestellt worden. Ein beauftragtes Ingenieurbüro habe nach eingehender Prüfung für ein Sanierungskonzept das Handtuch geworfen, nun sei man auf der Suche nach einem neuen Büro, das eine Liste der erforderlichen Sanierungsmaßnahmen erstellen kann. Mit einer Umsetzung sei im Frühjahr kommenden Jahres zu rechnen.

Crux an der ganzen Geschichte sei, so Markus Beule, Projektleiter bei Straßen.NRW, dass man aufgrund des VOB-Vertrages an die Baufirma gebunden sei, da normalerweise eine Mängelbeseitigung erst nach Fertigstellung und Abnahme des Bauwerkes erfolgen würde. Straßen.NRW hat aber vorher die Notbremse gezogen.

Daniel Schulze Tertilt (CDU) reichte es hingegen nicht, dass lediglich von einer vierseitigen Mängelliste gesprochen wird, ohne die Mängel zu benennen. Obwohl sich der Vertreter von Straßen.NRW zierte, Details zu nennen, ließ er sich dennoch entlocken, dass beispielsweise nicht freigegebener Spannstahl im Brückenbauwerk verwendet worden sei. Die Frage, warum das nicht kontrolliert worden sei, antwortete er: „Wir wurden über den Einbau nicht informiert, sodass wir das nicht kontrollieren konnten.“ Weitere Mängel hielten die Straßen.NRW-Vertreter in ihrer Akte versteckt, um den derzeitigen Abstimmungsprozess mit der Arge nicht zu stören.

Ein weiteres Brückenbauwerk ist für den Beckumer Bach erforderlich. Daher mussten Bodengrunderkundungen in den vergangenen Wochen gemacht werden.

Letztendlich störe diese Verzögerung allerdings nicht den zeitlichen Ablauf des Gesamtbauwerkes. „Die Bauzeit der So-da-Brücke verdoppele sich zwar, aber das habe keine Auswirkungen“, so Markus Beule. Man befinde sich im insgesamt letzten Planungsabschnitt. Es müssten allerdings erst alle Einzelgenehmigungen vorliegen, um Baurecht zu erlangen. Das werde bis Mitte 2027 erwartet. Dann könne man die Vergabe machen. „Die Ausschreibung, da gehe ich von aus, werden wir dann eher gegen 2028 machen können.“  

Eine Besonderheit hat sich im Laufe der Planungen noch ergeben. Am Kreisel in Sanssouci muss ebenfalls ein Brückenbauwerk errichtet werden. Für den Beckumer Bach, der in die Hönne mündet, ist ein mehrere Meter breiter Durchfluss erforderlich, „sodass wir hier durchaus von einer Brücke sprechen können“. Dies Bauwerk und der Kreisel in Sanssouci sollen der letzte Bauabschnitt des gesamt 1,2 Kilometer langen neuen Teilabschnitts der B 229 sein.

Das rief Lorenz Schnadt (UWG) auf den Plan. Man habe vor Baubeginn des Feuerwehrgerätehauses die Antwort bekommen, dass der Kreisel fertig sei und eine Alarmausfahrt für die Feuerwehr dann gemacht würde. Er warf Straßen.NRW vor: „Die Aussage Ihrer Behörde war 2020: In fünf Jahren steht das Ding. Und nun, nach sechs Jahren? Es erklärt sich mir nicht, dass wir vom Start bis zur Fertigstellung locker auf über zehn Jahre kommen. Wir reden von 1,2 Kilometern Straße. Die bauen wir hier im Sauerland schneller.“

Ingo Menzel verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass sich Arbeitsprozesse und die sich ständig ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden müssen. „Mir ist es wichtig, rechtlich und technisch einwandfrei zu bauen“, erläuterte er.

Die Beckumer Ausschussmitglieder drängten hier trotzdem auf eine schnelle Lösung, da die Ausfahrt der Feuerwehr aufgrund des hohen Tempos der Verkehrsteilnehmer sehr gefährlich sei. Und Matthias Jedowski warnte davor, dass die alte Brücke doch noch nachgeben könnte und dann durch eine längere Sperrung der Supergau für Balve entstehen würde. Schon durch die zweiwöchige Sperrung hätten heimische Betriebe Tausende von Euros an Schaden gehabt.  kr