Balve/Helle. Am Wochenende startete mit der Premiere „Robin Hood junior“ die Höhlensaison. Das Ensemble der Festspiele Balver Höhle fieberte diesem Ereignis entgegen, die Vorverkaufszahlen für die Märchensaison sind ebenfalls ansprechend, wenn auch nicht so gut, wie in den vergangenen Jahren. Grund genug, um mal den Vorsitzenden der Festspiele, Lukas Koch (Foto), zu befragen, wie denn die weiteren Planungen des Vereins sind.
Herr Koch, in diesem Jahr wird wieder ein Familienmusical, das auf den ersten Blick unbekannt ist, letztendlich aber die große Vorlage von Robin Hood hat, in der Balver Höhle ab dem 9. Mai aufgeführt. Warum hat man sich für die Junior-Version entschieden?
Wir suchen immer nach Stücken, die vom Gesamt-Paket – Handlung, Musik, Spannung und Humor – in unsere Ausrichtung passen. Maßgeblich hier ist natürlich unsere Regisseurin Marie Neuhaus-Schwermann. Sie hat in den letzten Jahren immer ein gutes Händchen bewiesen mit der passenden Vorauswahl an Stücken. Bei der finalen Stückauswahl sind dann immer Kleinigkeiten entscheidend. Dieses Jahr war dann die Mischung aus bekannter Geschichte, Fantasie und moderner Neuentwicklung eines Klassikers entscheidend.
Während der Märchenspielzeit, so heißt es ja offiziell, obwohl es ja schon lange keine Märchen im herkömmlichen Sinne sind, gibt es eine weitere Musikveranstaltung. Wer spielt wann in der Höhle und gibt es noch Karten?
Naja, ob Peter Pan, Das Dschungelbuch und Co. keine Märchen sind, ist wohl Ansichtssache ;).
Die regional bekannte und heimische Band Good Wood wird am Freitag, 29. Mai, ein Gastspiel in unseren Kulissen geben. Es gibt noch sehr wenige Restkarten, die Nachfrage ist sehr groß. Das freut uns und die Band sehr.
Das Konzept eines deutschen Headliners am Irish-Freitag ist im vergangenen Jahr nicht aufgegangen. Wie sieht es in diesem Jahr aus? Wie will man mehr Besucher freitags in die Höhle locken?
Der Plan ist zumindest nicht in dem erhofften Effekt geendet. Es gab dennoch ein leichtes Zuschauerplus. Generell werden wir die etwas rockigere „jüngere” Folk Richtung für den Freitag aber für die nächsten Jahre erstmal beibehalten. Mit „The Feelgood McLouds” haben wir hier wieder einen passenden Headliner gefunden.
Und dann hat ja der Festspielverein noch ganz großes vor. Das Mammut mit dem darüberliegenden Geschoss soll saniert und umgebaut werden. Dafür soll es dann einen langfristigen Mietvertrag geben. Man spricht von 500.000 Euro Investitionskosten. Warum ist das Gebäude für den Festspielverein so wichtig?
Es ist für uns ein unheimlich wichtiges Gebäude, da es – am Notausgang der Höhle – über einen direkten Zugang zur Balver Höhle verfügt. Darüber hinaus bietet es genügend Platz, um sowohl Backstage Räumlichkeiten als auch Lager- und Verwaltungsräume zu beherbergen. Gerade die Möglichkeit für trockene, saubere und warme Umkleidemöglichkeiten und Sanitärräume sind für unsere aktiven Schauspieler unschätzbar.
Um auch entsprechende Zuschüsse zu generieren soll ein Museum integriert werden, in das man keinen Eintritt zahlen muss. Was wird man da sehen können?
Das Museum wird sogar die Hauptnutzung der Räumlichkeiten darstellen. Es verfolgt primär das Ziel, unser Hobby und die Theater-Begeisterung den Bewohnern der Region und Touristen näher zu bringen. Daher wollen wir über die lange Historie der Theater-Aufführungen in der Höhle berichten. Seit ihren Anfängen 1922, über die Pausierung in und nach der NS-Zeit, bis hin zur Gründung der Festspiele und des Wiederauflebens dieser Tradition bis heute. Dazu soll ebenfalls die bewegte Geschichte des Hauses beleuchtet werden. Im Obergeschoss gibt es dann ganzjährig einen Einblick “hinter die Kulissen” wie Maskenräume, Requisiten und Kostüme von heute aussehen und wie und wo sich unsere Schauspieler herrichten.
Das hört sich alles gut an. Doch die Summe, die investiert werden muss, ist natürlich gewaltig. Sie hoffen auf rund 400.000 Euro an Zuschüssen aus verschieden Töpfen. Dann bleiben immer noch rund 100.000 Euro übrig. Wird es dann mehr Festspiel-Veranstaltungen in der Höhle geben, um diese Summe finanzieren zu können? Oder wie kann der Verein das aufbringen?
Nein, ein Mehr an Veranstaltungen ist nach aktueller Einschätzung nicht zu bewältigen. Das ehrenamtliche Engagement unserer Mitglieder ist mit dem aktuellen Volumen schon stark gefordert.
Die Finanzierung des Eigenanteils, inkl. verbundener Kapitalkosten, soll vor allem durch das Zusammenlegen von Mieträumen geschehen, sowie durch frei werdende Liquidität – bedingt durch den Wegfall auslaufender Altlasten – und einen möglichen kleinen Anteil von Mieteinnahmen durch Dritte. Nach aktuellen Kalkulationen sollte es keine Mehrbelastung durch die Aufnahme einer entsprechenden Finanzierung geben.
Voraussetzung für die Bezuschussung ist ja auch, dass möglichst Balver Vereine davon profitieren können. Wird es dann so sein, dass der Backstage-Bereich für heimische Vereine vergünstigt angeboten wird bei Veranstaltungen in der Höhle?
Absolut. Natürlich gab es bereits Gespräche mit der Balver Schützenbruderschaft, die die Räumlichkeiten auch nutzen können, ebenso wie die anderen Balver Vereine, die Veranstaltungen in der Höhle durchführen. Beispielhaft seien hier die heimischen Musikvereine genannt. Hier legen wir großen Wert auf ein enges, offenes und faires Miteinander unter den Balver Vereinen. Anders lässt sich Ehrenamt im heimischen Raum auch nicht gestalten.
Herr Koch, schönen Dank für die Auskünfte und die HÖNNE-ZEITUNG wünscht viel Erfolg bei der Beschaffung der Finanzmittel, damit dann im Herbst mit der Sanierung und dem Umbau begonnen werden kann.
Das Interview führte Roland Krahl per E-Mail.



