Podologe Björn Freiburg untersucht die Füße eines jungen Kenianers. Obwohl viele barfuß laufen, war der Zustand größtenteils zufriedenstellend. Fotos: privat
Balve. Der Balver Podologe Björn Freiburg und seine Kollegin Billi Twelker stiegen am 19. Dezember 2025 in Frankfurt ins Flugzeug. Ziel war Ukunda bei Diani Beach in Kenia. Vier Wochen wollten sie dort bleiben – nicht als klassische Urlauber, sondern mit einem klaren Auftrag: Füße untersuchen, behandeln und helfen, wo Hilfe möglich ist.
Insgesamt nahmen die beiden rund 500 Füße – also etwa 250 Menschen – in die Hand. Das Fazit fiel zunächst überraschend aus. „Wir waren uns relativ schnell einig, dass etwa 90 Prozent der Füße in einem guten Zustand waren“, berichtet Freiburg. Erkrankungen wie Schuppenflechte, Neurodermitis oder Nagelpilz hätten sie nicht festgestellt. Häufiger seien leichte Verhornungen und Druckstellen gewesen. Auffällig war jedoch, dass viele Kinder durch das Barfußlaufen Dornen in den Füßen hatten. Teilweise waren diese bereits entzündet.

In dem Dorf, in dem zahlreiche Kinder mit körperlichen Einschränkungen leben, war man über Hilfe sehr froh.
In zwei Schulen praktizierten die beiden ihr podologisches Fachwissen, entfernten Dornen fachgerecht und versorgten die Wunden. Eine Woche später kehrten sie zurück, kontrollierten die Heilung und behandelten nach.
Ein Beruf wie der des Podologen existiert dort nicht. Entsprechend zurückhaltend begegneten viele Menschen den beiden zunächst. Vertrauen entstand Schritt für Schritt – auch durch kleine Gesten. Freiburg und Twelker hatten Trinkwasser mitgebracht und verteilten rund 1.500 Lollis an die Kinder.
Neben der medizinischen Hilfe organisierten sie auch Sachspenden. Ein besonderes Ziel war ein Dorf, in dem mehr als 200 Kinder und Jugendliche mit körperlichen und geistigen Einschränkungen leben. Viele von ihnen gelten in ihren Familien als Außenseiter oder sind dort nicht ausreichend versorgt.

Ein unvergesslicher Augenblick war die Übergabe des Kinderrollstuhls.
Mit ihrem Fahrzeug brachten die beiden rund 850 Kilogramm Lebensmittel sowie Töpfe, Pfannen, Teller, Besteck und große Kochlöffel. „Die Unterstützung war zwei Wochen lang ausgeblieben, das Lager fast leer“, schildert Freiburg. Die Schulleitung zeigte sich entsprechend erleichtert. Auch hier wurden 180 Kinder, Jugendliche sowie Lehrkräfte untersucht und behandelt.
Ein besonders bewegender Moment ergab sich bei der Übergabe eines gebrauchten Kinderrollstuhls, den das Medical Center Südwestfalen zur Verfügung gestellt hatte. Ein Junge, der zuvor in einem provisorisch gebauten Rollstuhl saß, wechselte eigenständig in das neue Gefährt – langsam, aber entschlossen. Als er schließlich saß, lächelte er die Helfer an. „Das werden wir nie vergessen“, sagt Freiburg.
Die Reise hatte jedoch auch eine andere Seite. Freiburg und Twelker wohnten privat bei einem Bekannten – hinter hohen Mauern, gesichert mit Nato-Draht und Wachhunden. Das Haus konnten sie nur in Begleitung verlassen. Die Kriminalität in der Region sei hoch, berichten sie. Einkäufe waren nur gemeinsam mit ortskundiger Begleitung möglich.
Gleichzeitig erlebten sie Gegensätze: einfache Lebensverhältnisse auf der einen Seite, luxuriöse Strandabschnitte mit Hotels, Wachpersonal und wohlhabenden Urlaubern auf der anderen. „Arm und Reich treffen dort unmittelbar aufeinander“, beschreibt Freiburg seine Eindrücke.
Trotz aller Herausforderungen bleibt vor allem die Begegnung mit den Menschen in Erinnerung. Viele wirkten zufrieden mit dem, was sie haben. „Wir hatten den Eindruck, dass sie nicht ständig nach mehr streben, sondern mit ihrer Situation leben“, so Freiburg.
Die vier Wochen – darunter auch Weihnachten und Silvester fern der eigenen Familie – hinterließen nachhaltige Eindrücke. „Wir schätzen es jetzt noch mehr, in Deutschland zu leben, wo vieles geregelt ist“, sagt der Balver Podologe. Seine Tochter Antonia feierte während der Reise Geburtstag – ein Moment, den er aus der Ferne erlebte.
Die Erfahrungen wollen Freiburg und Twelker nun aufarbeiten. Ein Abschlussfilm ist geplant, zudem sollen Fotos auf der Internetseite und in den Praxen Einblick in die Reise geben. Für ihre Patienten und Mitarbeiter entsteht ein Fotobuch.
Ob es eine weitere Reise nach Kenia geben wird, ist derzeit offen. Die Eindrücke wirken nach – sowohl die positiven als auch die belastenden. Fest steht: Für mehrere hundert Menschen in Ukunda und Umgebung war der Besuch aus Balve mehr als nur eine kurze Begegnung.DP





